Integrationskurse: Kardinal Woelki kritisiert Einsparungen

Integrationskurse: Kardinal Woelki kritisiert Einsparungen
"Wir müssen die Tür offenhalten": Der Kölner Kardinal Woelki wirbt dafür, Menschen auf der Flucht vor Krieg und Terror nicht zugunsten des eigenen Wohlstands aus dem Blick zu verlieren. Auch Einsparungen bei Integrationskursen findet er falsch.

Köln (epd). Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat die Einsparungen bei Integrationskursen kritisiert. Er finde es „politisch völlig falsch“, die Kurse zu streichen oder daran zu kürzen, sagte der Erzbischof der „Kölnischen Rundschau“ (Sonntag Online, Print Montag). „Die Kurse, die wir als Erzbistum zu verantworten hatten, sind Erfolgsmodelle.“ 70 Prozent der teilnehmenden Flüchtlinge seien nun im Arbeitsmarkt integriert.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hatte den Trägern Mitte Februar mitgeteilt, dass Menschen, die freiwillig einen Integrationskurs besuchen wollen, nur noch als Selbstzahler teilnehmen können. Begründet wird der Schritt unter anderem mit notwendigen Einsparungen. Das betrifft Asylbewerber im Verfahren, Geduldete, Migranten aus der EU sowie aus der Ukraine geflüchtete Menschen. Die Entscheidung betrifft etwa die Hälfte aller Kurse und sorgt für heftige Kritik.

Tür für Flüchtlinge offenhalten

Der Kölner Kardinal sagte der Zeitung: „Natürlich dürfen wir nicht naiv sein oder die Augen vor den Problemen verschließen. Aber die müssen wir eben angehen.“ Ohne Zuwanderung könne Deutschland die demografischen Probleme am Arbeitsmarkt und in den Sozialsystemen nicht lösen.

Mit Blick auf verstärkte Diskussionen über Restriktionen, Grenzkontrollen und Abschiebungen sagte Woelki: „Ich finde es einfach schrecklich. Wir verlieren die Menschen auf der Flucht vor Krieg und Terror aus dem Auge, weil wir unseren Wohlstand sichern wollen.“ Natürlich dürften keine Terroristen und fundamentalistischen Kämpfer ins Land gelassen werden. „Aber wir müssen die Tür offenhalten für Menschen, die unter Krieg oder anderen Notsituationen, etwa durch Umweltkatastrophen, leiden.“ Das sei eine Verpflichtung für Deutschland und auch für ein Europa, „das doch immer noch von einem christlichen Anspruch getragen wird“, sagte der Kardinal der „Kölnischen Rundschau“.