Dortmund, Berlin (epd). Eine Sanierung der gesetzlichen Krankenversicherung darf nach Ansicht des Sozialverbandes VdK und der Deutschen Stiftung Patientenschutz nicht auf dem Rücken der Versicherten stattfinden. „Die Beitragsspirale muss endlich gestoppt werden“, erklärte VdK-Präsidentin Verena Bentele am Sonntag in Berlin. Nach Ansicht des Vorstands der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, wäre es „mutig, die Fehlanreize des absurden Abrechnungssystems zu beseitigen“.
Die von der Bundesregierung mit dem Ziel einer stabilen Finanzierung der Krankenkassen eingesetzte Kommission will an diesem Montag ihren Bericht vorlegen. Die Expertinnen und Experten hatten die Aufgabe, eine Prognose für die Entwicklung der Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung bis 2030 zu errechnen, maßgebliche Kostentreiber im Gesundheitssystem zu identifizieren und Maßnahmen vorzuschlagen, um die Beiträge stabil zu halten.
Lieber Reformen als höhere Beiträge
Angesichts des Milliardendefizits in der gesetzlichen Krankenversicherung forderte der VdK-Verband nachhaltige strukturelle Reformen statt Beitragserhöhungen oder Leistungskürzungen. Deutschland habe eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, in dem zugleich viele Akteure erhebliche Gewinne erzielten. „Wer am meisten im Gesundheitssystem verdient, muss auch stärker zur finanziellen Gesundung des Systems beitragen“, fügte Bentele hinzu.
Brysch forderte die Einführung eines Bonus-Malus-Systems, also eines Anreiz‑ und Bestrafungssystems für die Qualität der Patientenversorgung. Wenig geeignet sei die geplante Erst-Hausarzt-Pflicht, erklärte Brysch am Sonntag in Dortmund: „Diese wird Behandlungszahlen nicht senken, sondern die Hausarztpraxen von je zusätzlich 2.000 Patienten überrollen und keine schnellen Facharzttermine bringen.“
Umfrage: Mehrheit gegen steigende Beiträge
Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa für „Bild am Sonntag“ lehnen 39 Prozent Kürzungen im Gesundheitswesen für Versicherte ab, 21 Prozent wären zu Einschnitten im Leistungskatalog bereit. Nur acht Prozent der Befragten stimmten danach steigenden Beiträgen zu. 31 Prozent der Befragten hielten es jedoch für verkraftbar, künftig keinen Facharzttermin mehr ohne vorherige Überweisung durch einen Hausarzt zu erhalten.
14 Prozent sprechen sich laut Umfrage für die Wiedereinführung einer Praxisgebühr aus. Die diskutierte Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern lehnten 57 Prozent ab. Befragt wurden den Angaben zufolge 1.003 Personen am 26. und 27. März dieses Jahres.



