Davos (epd). In vielen Kirchen sammeln sich Menschen an den Kerzenstationen, Touristen, Kirchgänger, Zufallsbesucher. „Die Menschen gehen anders raus, als sie hineingegangen sind“, sagt der im schweizerischen Davos lebende Psychologe und Buchautor Hans-Gerhard Behringer dem Evangelischen Pressedienst (epd). Für ihn ist das Anzünden einer Kerze „leise, handfeste Alltagsspiritualität“ - kein Brauchtum, kein Aberglaube.
Das Innehalten und Entzünden eines Lichts in einer Kirche sei „ein seltenes Stück analoges Tun, ein Gegenstück zur allgegenwärtigen Digitalisierung“, betont Behringer: „Das ist anders als ein Klick im Internet.“ Wer eine Kerze entzünde, „betritt oft einen inneren Zwischenraum“, so beschreibt er es. „Es ist etwas, wo der ganze Mensch dahintersteht.“
Spiritualität ohne Organisiertheit
Das Lichtanzünden werde so zur intimen Geste ohne große Worte. Für viele sei es Ausdruck einer „neuen Spiritualität ohne Organisiertheit, ohne Glaubenssätze und Dogmen“. Dabei stehe das Persönliche im Vordergrund.
Es sei „ein Moment der Ruhe, des inneren Friedens“, viele spürten ein inneres Licht und Lebenskraft, beobachtet der Autor vieler Bücher über Lebenshilfe und Spiritualität. Kerzenlicht sei schon immer ein Symbol der Hoffnung gewesen.



