Frankfurt a.M. (epd). Eine weiter andauernde Blockade der Straße von Hormus könnte nach Einschätzung der Welthungerhilfe Ernährungskrisen in vielen Ländern dramatisch verschärfen. Der stellvertretende Leiter für Politik und Außenbeziehungen der Hilfsorganisation, Rafaël Schneider, verwies insbesondere auf Unterbrechungen in den Lieferketten für Düngemittel. „Wenn aufgrund hoher Beschaffungspreise weniger gedüngt wird, werden die Ernten in vielen Regionen geringer ausfallen“, sagte Schneider dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Dann werden Lebensmittel knapp und die Preise steigen.“ Vor allem Menschen, die ohnehin schon in Armut lebten, würden in solch einer Situation „sehr schnell an ihre Grenzen stoßen“.
„Die Folgen des Iran-Krieges für die Lebensmittelpreise sind zwar nicht ganz so unmittelbar spürbar wie an der Zapfsäule, dafür aber umso langfristiger“, unterstrich Schneider. Düngemittel, die jetzt fehlen, würden in einigen Monaten zu geringeren Ernten und höheren Preisen führen. Für zusätzlichen Druck sorgten die bereits jetzt deutlich gestiegenen Treibstoffpreise. „Das merken Landwirtinnen und Landwirte auf der ganzen Welt, wenn der Traktor aufs Feld fährt“, sagte Schneider.
Länge des Krieges entscheidend
Als Reaktion auf die US-amerikanischen und israelischen Angriffe hat der Iran die Straße von Hormus faktisch blockiert. Die Meerenge zwischen dem Iran und dem Golfstaat Oman ist nicht nur für den weltweiten Ölhandel von großer Bedeutung, sondern auch für die Versorgung mit synthetischen Düngemitteln: Laut UN-Daten ist sie für rund ein Drittel des globalen Handels auf dem Seeweg verantwortlich.
Wie einschneidend die Folgen sein werden, hängt laut Schneider maßgeblich von der Länge des Krieges und der Blockade der Meerenge sowie den Schäden an den Produktionsanlagen ab. Bereits die jetzige Unterbrechung werde aber zu Problemen führen. Zugleich verwies er auf Unterschiede zwischen verschiedenen Regionen. In Indien zum Beispiel würden Düngemittel auch vor Ort produziert, was die Krise abschwächen könnte. Länder der afrikanischen Sahel-Region hingegen, in denen Düngemittel für viele Menschen ohnehin nur schwer erschwinglich seien, würden besonders unter Preisanstiegen leiden. Es drohe eine „sehr dünne Ernte“, warnte Schneider.
Weltweit hungern 673 Millionen Menschen
Betroffene Länder sollten jetzt schon reagieren und beispielsweise Düngemittel durch Subventionierung weiterhin zugänglich machen, forderte Schneider. Zugleich müsse gerade jetzt in eine nachhaltige und krisenresistente Landwirtschaft investiert werden.
Laut Schätzungen von UN-Organisationen hungern weltweit etwa 673 Millionen Menschen. Als wesentliche Gründe gelten unter anderem Kriege und Konflikte, Armut sowie der Klimawandel.



