Forscher: Kraftstoffpreise belasten kleine und mittlere Einkommen

Forscher: Kraftstoffpreise belasten kleine und mittlere Einkommen
Die durch den Iran-Krieg gestiegenen Benzin- und Dieselpreise treffen insbesondere Familien mit geringen und mittleren Einkommen, wie der Wirtschaftsforscher Sebastian Dullien sagt. Die Lage sei aber anders als die Energiekrise 2022.
19.03.2026
epd
epd-Gespräch: Christina Neuhaus (epd)

Berlin (epd). Der Wirtschaftsforscher Sebastian Dullien sieht durch die gestiegenen Preise für Benzin und Diesel bestimmte Bevölkerungsgruppen besonders belastet. „Tatsächlich sind nach unseren Zahlen Familien und Alleinerziehende mit geringen bis mittleren Einkommen am deutlichsten von teureren Kraftstoffen betroffen“, sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Sie geben einen relativ hohen Einkommensanteil für Benzin aus.“ Dagegen hätten die ärmsten Haushalte, insbesondere arme Alleinstehende, „oft einfach gar kein Auto“.

Die derzeitige Lage unterscheide sich klar von der Energiekrise zu Beginn des Ukraine-Kriegs 2022, sagte Dullien. „Damals hatten wir einen massiven Preisanstieg beim Erdgas, jetzt vor allem bei Benzin und Diesel.“ Erdgas sei für die deutsche Wirtschaft viel wichtiger und wirke sich deutlich stärker in den Lieferketten aus. „Deshalb hat sich die Preissteigerung damals viel schneller und stärker bei den Lebensmittelpreisen niedergeschlagen“, sagte der Volkswirt. Außerdem sei die Ukraine vor Kriegsbeginn ein wichtiger Weizenexporteur gewesen.

Entlastungen wurden teils nicht wahrgenommen

Dementsprechend sei damals die Belastung auch anders verteilt gewesen als heute, erläuterte Dullien: „Wenn Gas und Lebensmittel teurer werden, dann trifft es die ärmsten Haushalte am stärksten, denn die geben einen größeren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel und Energie aus als die besserverdienenden Haushalte.“

2022 hatte der Staat viel Geld in die Hand genommen, um die Auswirkungen der Preissteigerungen abzufedern. Schon zu Beginn der Krise habe es einige Maßnahmen gegeben, „die eigentlich von den Summen her gut gewirkt haben, nämlich Einmalzahlungen und Steuerermäßigungen“, sagte Dullien. „Im Nachhinein haben wir aber herausgefunden, dass die Menschen das zum Teil gar nicht wahrgenommen haben.“ Es sei gefühlt weniger angekommen als real.

Als eine Lehre aus der Krise 2022 riet Dullien dazu, die Preise gut im Blick zu behalten und rechtzeitig zu reagieren. „Was damals nicht ausreichend erkannt wurde, ist, wie wichtig die Erhöhung der Gaspreise und der Energie insgesamt für die anderen Güter waren, die dann später teurer geworden sind.“ Dadurch sei die Inflation über einen längeren Zeitraum höher ausgefallen. „Darum würde ich rückblickend sagen, dass man bei den Energiepreisen schneller eingreifen sollte.“