Pilgern liegt im Trend. Ob auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela, dem Lutherweg durch Mitteldeutschland oder auf dem Pilgerweg Loccum-Volkenroda - immer mehr Menschen machen sich auf den Weg, um Abstand vom Alltag zu gewinnen. Wissenswertes zum Thema Pilgern.
Was unterscheidet Pilgern vom Wandern?
Äußerlich ist der Unterschied zwischen Pilgern und Wandern nicht sehr groß, wie der Pilgerreferent der hannoverschen Landeskirche, Klaas Grensemann, erklärt. Man könne es als sportliche Herausforderung in der Natur sehen.
Doch beim Pilgern gebe es eine andere Dimension: Wer pilgert, lasse sich auf einen inneren Prozess ein, der Themen hochspülen und dabei helfen könne, Dinge zu verarbeiten.
Das Besondere beim Pilgern seien Impulse und kleine Rituale, wie eine Kirche aufzusuchen oder ein Lied zu singen. Es gehe um die geistige, die spirituelle Erfahrung. "Ich muss bereit sein, mich auf eine Gottesbegegnung einzulassen."
Was sollte man im Vorfeld planen?
Die Route sollte entsprechend der eigenen Belastbarkeit realistisch gewählt sein, auch Ruhetage gehören dazu. Wichtig sind Informationen zu Einkaufsmöglichkeiten und Bus und Bahn, sowie die Entscheidung, ob man mit Papierkarte oder Handy-GPS navigiert.
Wer digital navigiert, sollte an eine Powerbank denken. Empfehlenswert ist es, Übernachtungen zumindest für die ersten Etappen vorab zu organisieren und schon mal nach Gasthäusern für die Abendverpflegung zu schauen. Auf Wegen wie dem von Loccum nach Volkenroda gibt es Pilgerherbergen, beispielsweise in Bursfelde.
Was sollte man mitnehmen?
Beim Gepäck gilt: weniger ist mehr. Denn jedes Kilo im Rucksack fällt buchstäblich ins Gewicht. Erfahrene Pilger empfehlen maximal acht Kilogramm. Unverzichtbar sind bereits eingelaufene Schuhe, bequeme Kleidung, Wasser und Proviant, dazu kommen Schlafsack, Isomatte, Wechselwäsche, Waschzeug und ein Regencape. Hilfreich sind außerdem Wanderstöcke, Blasenpflaster und eine Kopfbedeckung.
Wie viel schaffe ich?
Für Einsteiger gelten rund 15 Kilometer pro Tag als guter Richtwert. Geübte Pilger schaffen oft deutlich mehr. Auch Höhenmeter sollte man berücksichtigen. Wichtig ist es, rechtzeitig mit dem Training zu beginnen: Regelmäßige Spaziergänge oder kurze Wanderungen bereiten Muskeln und Gelenke vor.
Sollte man allein oder in Gesellschaft pilgern?
Allein zu pilgern bietet Freiheit und Zeit für sich, zudem muss man sich nicht nach dem Tempo anderer richten. In Gesellschaft entsteht dafür ein Austausch. Manche Pilger fühlen sich zu zweit oder in einer Gruppe sicherer.
Klaas Grensemann empfiehlt geführte Pilgertouren. "Dabei entstehen immer wieder kleine Räume für Rituale, für ein Gebet, für einen Besuch der Kirche oder Gespräche."



