Gütersloh (epd). Bürgergeld-Empfänger stellen den Mitarbeitenden der Jobcenter überwiegend ein gutes Zeugnis aus, sehen aber durch die Termine bei den Beratern oft keine besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt. 68 Prozent der Leistungsbezieher sind mit der Arbeit ihres Jobcenters zufrieden, 72 Prozent finden die Mitarbeitenden „kompetent“, wie eine am Dienstag in Gütersloh veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung ergab. Dennoch sage fast die Hälfte, dass ihnen die Termine „nichts bringen“.
Für die Studie hatte die Bertelsmann Stiftung im Frühjahr 2025 mehr als 1.000 Langzeitarbeitslose im Alter von 25 bis 50 Jahren befragen lassen, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld beziehen. Ergänzend dazu wurden mit 20 Befragten tiefergehende Einzelinterviews geführt. Der Bundestag hatte Anfang März dieses Jahres eine Reform des Bürgergelds beschlossen, die im Sommer in Kraft tritt.
Kritik an Erreichbarkeit, Lob für konkrete Hilfe
Bei den Kritikpunkten an den Jobcentern erklärten den Angaben zufolge 39 Prozent der Befragten, dass die Beraterinnen und Berater oft schlecht erreichbar sind. Rund 44 Prozent der Leistungsbezieher monierten, ihnen würden im Jobcenter nur Forderungen gestellt, statt dass ihnen wirklich geholfen werde. Umgekehrt berichteten etwa 60 Prozent der Befragten, das Jobcenter unterstütze sie genau da, wo sie Hilfe bräuchten.
Der Arbeitsmarkt-Experte der Bertelsmann Stiftung, Tobias Ortmann, verlangte, den Betreuungserfolg auch an der „Förderung marktfernerer Langzeitarbeitsloser“ zu messen. Gerade bei Personen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt kämen Beratung und Vermittlung als Kernaufgaben der Jobcenter „häufig zu kurz“. Rund 46 Prozent der Arbeitslosen im Bürgergeld hätten mehrere Vermittlungshemmnisse wie Krankheiten oder fehlende Qualifikationen, erläuterte der Experte.
Zum Bürgergeld waren 82 Prozent der befragten Langzeitarbeitslosen der Meinung, der Staat müsse Menschen „in schwierigen Lebenslagen finanziell unterstützen“. Zugleich stimmt eine Mehrheit (55 Prozent) zu, dass von Bürgergeld-Empfängerinnen und -Empfängern dafür eine Gegenleistung erwartet werden könne. In den Einzelinterviews erklärten die Befragten, mittel- bis langfristig durch eine Arbeitsaufnahme „ein von staatlichen Leistungen unabhängiges und eigenverantwortliches Leben“ anzustreben.



