Innenminister Herrmann: Rechtspopulisten höhlen christliche Werte aus

Innenminister Herrmann: Rechtspopulisten höhlen christliche Werte aus
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann wirbt für den Dialog mit Sympathisanten rechtspopulistischer Thesen - um sie von demokratischen Positionen zu überzeugen. Der CSU-Politiker ist gegen eine strikte Abwehrhaltung gegenüber AfD-Anhängern:

Würzburg (epd). Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hält nichts von einer reinen Abwehrhaltung gegenüber AfD-Anhängern. „Ich rate dringend dazu, sich mit den inhaltlichen Positionen auseinanderzusetzen“, sagte Herrmann am Dienstagabend in Würzburg bei der Tagung „Heil von rechts? Die autoritäre Versuchung im Christentum der Gegenwart“. Einen „Igittigitt-Kurs“ fahren und sich „nicht mit denen beschäftigen zu wollen“, ergebe für ihn keinen Sinn: „Wer nur ausgrenzt, der überzeugt niemanden mehr.“

Herrmann sprach davon, dass Rechtspopulisten zunehmend auch in Europa versuchen, ihre Themen mit vermeintlich christlichen Positionen zusammenzuführen. In Wahrheit sei dies eine „Aushöhlung christlicher Werte“. Den rechtspopulistischen Parteien gehe es vielmehr um die „Disruption und Zerstörung des Systems“, sagte der bayerische Innenminister, der bei dem Kamingespräch im Exerzitienhaus Himmelspforten dezidiert keine „keine amtliche Stellungnahme“ sondern eine „ganz persönliche Einschätzung“ abgeben wollte.

Herrmann: Fast die Hälfte der AfD-Wähler aus prekärem Milieu

Von den großen Kirchen erwartet sich Herrmann, dass sie „wie Christus zu den Benachteiligten“ gehen und sich um diese Menschen kümmern. Rund 45 Prozent der AfD-Wählerinnen und -Wähler stammten aus dem prekären Milieu. Sie hätten das Gefühl, nicht mehr Teil der Gesellschaft zu sein, erläuterte er. Jeder müsse sich fragen: „Folgen wir dem Beispiel Jesu nicht nur in Worten, sondern auch in den Werken?“ Die Kirchen seien deshalb wichtige Partner für die Demokratie: „Sie haben an der freiheitlichen Gesellschaft mitgebaut.“

Herrmann sieht durchaus Tendenzen in den beiden großen christlichen Kirchen, Menschen mit konservativen Positionen zu vernachlässigen. Gleichwohl sehe er dabei „keinen Zusammenhang“ zum steigenden Zulauf von rechten „Christfluencern“ in sozialen Medien oder freikirchlichen Gruppierungen.