Erste Wahl nach Jugendprotesten in Nepal

Erste Wahl nach Jugendprotesten in Nepal
Nach den Protesten junger Menschen wählt Nepal ein neues Parlament. Es wird ein enges Rennen zwischen dem Kandidaten der Jugend und dem der etablierten Traditionspartei NC erwartet.

Delhi, Kathmandu (epd). Ein halbes Jahr nach dem politischen Umbruch waren die Menschen in Nepal am Donnerstag dazu aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Etwa 19 Millionen Bürgerinnen und Bürger bestimmen 165 Abgeordnete des insgesamt 275-köpfigen Abgeordnetenhauses. Über 3.400 Frauen und Männer bewerben sich um die Mandate, wobei mehr als ein Drittel der Kandidatinnen und Kandidaten jünger ist als 40 Jahre. Im September hatten landesweite Proteste junger Menschen zum Rücktritt der Regierung geführt.

In Regionen wie Chitwan an der indischen Grenze warteten laut der Zeitung „Kathmandu Post“ bereits vor Sonnenaufgang erste Wählerinnen und Wähler vor den Abstimmungszentren. Nach Angaben des Innenministeriums waren mehr als 300.000 Sicherheitskräfte sowie Luftpatrouillen am Wahltag im Einsatz.

Rennen zwischen Traditionspartei und Kandidaten der Jungen

Der Urnengang wurde von der Übergangsregierung vorbereitet und könnte zeigen, ob sich die Forderungen der Protestbewegung nach mehr Mitbestimmung und gegen Zensur und Korruption auch politisch niederschlagen. Die junge Nationale Unabhängigkeitspartei Rastriya Swatantra Party (RSP) konkurriert mit dem traditionsreichen Nepali Congress (NC).

Als aussichtsreicher Kandidat des NC für das Amt des Ministerpräsidenten gilt Gagan Thapa (49). Spitzenkandidat der RSP ist der populäre frühere Bürgermeister der Hauptstadt Kathmandu, Balen Shah (35). Für seine Kandidatur legte der Ingenieur und Rapper sein Amt nieder. Er ist unter jüngeren Wählern beliebt. Beobachter erwarten ein enges Rennen zwischen beiden Lagern. Die junge RSP könnte von der Unzufriedenheit junger Wähler profitieren.

Hohe Jugendarbeitslosigkeit

Auslöser der Proteste war eine geplante Blockade sozialer Netzwerke. Sicherheitskräfte gingen hart gegen Demonstrierende vor, 77 Menschen wurden getötet. Daraufhin trat Ministerpräsident Khadga Prasad Sharma Oli (74) von der Kommunistischen Partei Nepals zurück.

Nepal steht vor großen Herausforderungen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch, Korruption gilt als weitverbreitet. Zudem ist die Wirtschaft stark von Rücküberweisungen nepalesischer Arbeitsmigranten abhängig, von denen knapp zwei Millionen in den Golfstaaten arbeiten.