Studie: Ehegattensplitting bremst Beschäftigung von Frauen aus

Studie: Ehegattensplitting bremst Beschäftigung von Frauen aus
Durch das Ehegattensplitting verharren verheiratete Mütter oft auch in der späten Familienphase ab 45 Jahren bis zur Rente in Teilzeit. Eine DIW-Studie hat errechnet, wie viel Erwerbspotenzial dadurch verloren geht.

Gütersloh, Berlin (epd). In Deutschland entscheidet sich jede zweite teilzeitbeschäftigte, verheiratete Frau zwischen 45 und 66 Jahren einer Umfrage zufolge gegen eine Ausweitung der Arbeitszeit, weil es sich für sie finanziell nicht lohnt. Ausgebremst würden sie durch das Ehegattensplitting, das sich steuerlich allein für den Partner mit dem höheren Einkommen rechnet, ergab die am Donnerstag veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Bliebe vom Zusatzverdienst mehr Netto übrig, könnten sich insbesondere Frauen mit Minijobs vorstellen, Vollzeit zu arbeiten.

Die Umfrageergebnisse machten deutlich, welches Potenzial eine Reform des Ehegattensplittings allein in der Gruppe der Ehefrauen ab 45 Jahren entfalten könnte, hieß es. So könnte nach Berechnung des DIW die Erwerbsquote um knapp 1,5 Prozentpunkte wachsen und damit der Umfang der Arbeitsstunden um drei Prozent steigen. Zusammen ergebe das eine Zunahme des Arbeitsvolumens von knapp fünf Prozent, was 175.000 zusätzlichen Vollzeitstellen entspräche.

Stiftungsexperte plädiert für Steuermodell „Realsplitting“

Der Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung, Eric Thode, verwies auf Vorschläge von Ökonomen. „An die Stelle des Ehegattensplittings sollte das Realsplitting treten. Damit wäre ein übertragbarer Grundfreibetrag analog zum aktuellen Unterhaltsrecht gewährleistet“, sagte er. Das würde die hohe Steuerbelastung von zusätzlichem Arbeitseinkommen reduzieren und die Aufnahme beziehungsweise Ausweitung einer Beschäftigung attraktiver machen.

„Teilzeit ist oft kein 'Lifestyle'“

„Teilzeit - gerade in geringer Stundenzahl - ist eben oft kein 'Lifestyle', sondern eine Entscheidung, die von gegebenen Rahmenbedingungen geprägt ist“, betonte Stiftungsexpertin Michael Hermann. Mehr Netto vom Brutto sei ebenso ein Grund für Vollerwerbstätigkeit wie gute Arbeitsbedingungen und eine gleichberechtigte Aufteilung in der unbezahlten Sorgearbeit.

Für die repräsentative Umfrage befragte das DIW im Juni 2025 bundesweit 3.788 Frauen online: zu Familienstand, Bildungsabschluss sowie den Gründen, warum sie ihren Beruf aufgegeben oder einen Teilzeitjob haben und unter welchen Bedingungen sie Vollzeit arbeiten würden. Auf der Basis wurden die gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungseffekte hochgerechnet.