Kirchen warnen vor "Spirale der Gewalt" im Nahen Osten

Kirchen warnen vor "Spirale der Gewalt" im Nahen Osten
Angesichts der militärischen Eskalation im Nahen Osten haben internationale Kirchenvertreter zu einem Ende der Gewalt in der Region aufgerufen. Papst Leo forderte eine Rückkehr zur Diplomatie, der Weltkirchenrat ein Ende der Kampfhandlungen.

Frankfurt a.M. (epd). Internationale Kirchenvertreter haben nach den militärischen Angriffen der USA und Israels auf den Iran vor einer weiteren Eskalation gewarnt und zur Diplomatie aufgerufen. Papst Leo XIV. drang am Sonntag in Rom auf ein Ende der Gewalt. Stabilität und Frieden bringe man nicht mit Armeen, sagte das katholische Kirchenoberhaupt. Auch der Weltkirchenrat in Genf, deutsche Kirchenvertreter sowie US-Kirchen meldeten sich zu Wort.

Die USA und Israel hatten am Samstag einen großangelegten Militärangriff aus der Luft und von der See aus auf Ziele im Iran begonnen. Iranischen Staatsmedien zufolge wurde dabei Revolutionsführer Ali Chamenei getötet. Der Iran reagierte mit Angriffen auf US-Stützpunkte in der Golf-Region und blockierte die für den Ölhandel zentrale Straße von Hormus, eine Meerenge am Persischen Golf.

Papst appelliert an moralische Verantwortung

Der Papst appellierte eindringlich an die beteiligten Parteien, ihrer moralischen Verantwortung nachzukommen und die Spirale der Gewalt zu stoppen, „bevor sie in einen unüberwindlichen Abgrund mündet“. Er forderte eine Rückkehr zur Diplomatie, damit sie zum Wohl der Völker einen Frieden schaffen könne, der auf Gerechtigkeit aufbaue.

Auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) sprach von einer „gefährlichen Spirale der Gewalt“, die Millionen von Zivilisten unmittelbar in Gefahr bringe. „Militärische Konfrontation und eskalierende Vergeltungsmaßnahmen können keine nachhaltige Sicherheit oder Frieden bringen“, erklärte der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Jerry Pillay. „Stattdessen vervielfachen sie das Leid und erhöhen das Risiko eines umfassenderen regionalen Flächenbrands mit unvorhersehbaren globalen Folgen.“

#Bischöfin Fehrs: Gewaltspirale stiftet keinen Frieden

Die christlichen Kirchen in Deutschland sorgen sich um die Zivilbevölkerung der betroffenen Länder. „Als Kirche rufen wir zur Deeskalation auf, zum Schutz der Zivilbevölkerung und zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch“, erklärte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, am Samstag in Hannover. Die Hamburger Bischöfin sagte weiter: „Die Gewaltspirale aus Angriff und Vergeltung stiftet keinen Frieden; sie bringt stattdessen neues, unsägliches Leid über unzählige Menschen.“

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, äußerte ebenfalls tiefe Sorge. Israels Sicherheit sei für ihn von herausragender Bedeutung. Zugleich sagte er mit Blick auf den Iran: „Jeder, der Freiheit liebt, sehnt sich nach dem Moment, an dem die iranische Bevölkerung das Joch einer brutalen Herrschaft abschütteln kann.“

Auch US-Kirchen meldeten sich zu Wort. Die US-Presbyterianer, eine der großen protestantischen Kirchen in den USA, erklärten, Bomben schafften keine Demokratie und Luftangriffe keine gerechten Gesellschaften. Dauerhafter Frieden und Freiheit erforderten kontinuierliche Diplomatie, die Unterstützung der Zivilgesellschaft, regionale Deeskalation und die Einhaltung des Völkerrechts.

Sicherheitsbehörden wollen jüdische Einrichtungen besser schützen

Für die in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden bedeutet die militärische Eskalation eine verschärfte Bedrohungslage. „Insbesondere nach der Tötung des iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei ist damit zu rechnen, dass der Iran seine Netzwerke hierzulande für Terroranschläge gegen jüdische und israelische Einrichtungen nutzen wird“, sagte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, am Sonntag den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Online). Sicherheitsbehörden in mehreren Bundesländern passten nach eigenen Angaben Schutzmaßnahmen an.