Hildesheimer Bischof Wilmer neu an Spitze der deutschen Katholiken

Hildesheimer Bischof Wilmer neu an Spitze der deutschen Katholiken
Der erste Appell des neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz galt dem Frieden in der Ukraine. Die Bischöfe wählten den 64-jährigen Heiner Wilmer aus Hildesheim am Dienstag zum Nachfolger von Georg Bätzing (64).
24.02.2026
epd
Von Franziska Hein und Stephan Cezanne (epd)

Würzburg (epd). Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist seit Dienstag oberster Repräsentant der katholischen Kirche in Deutschland. Der 64-Jährige wurde in Würzburg auf der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zum Nachfolger von Georg Bätzing (64) gewählt. Der Limburger Bischof hatte im Januar erklärt, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Der Ordensgeistliche Wilmer wird die Bischöfe in den nächsten sechs Jahren nach außen vertreten. Er gilt als traditionsverbunden, aber offen für Reformen. Seine Wahl wurde von der evangelischen Kirche begrüßt.

Wilmer dankte seinem Vorgänger. Bischof Bätzing habe die Bischofskonferenz in schwerer Zeit geleitet. Er bekannte sich auch zur Synodalität, dem Prinzip einer gemeinsamen Leitung der Kirche. Kurz nach seiner Wahl rief Wilmer zum sofortigen Ende des Krieges in der Ukraine auf. Die Welt rufe nach Frieden, sagte Wilmer mit Blick auf den vierten Jahrestag der russischen Invasion: „Frieden ist kein ferner Traum.“ Der neue Bischofskonferenz-Vorsitzende sprach sich zudem für eine weitere Aufarbeitung des Missbrauchs in seiner Kirche aus.

EKD-Vorsitzende Fehrs äußert sich zuversichtlich für die Ökumene

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, erklärte, Wilmer liege daran, Strukturreformen und geistliche Erneuerung miteinander zu verbinden: „Das lässt mich mit großer Zuversicht auf die zukünftige ökumenische Zusammenarbeit schauen“, unterstrich die Hamburger Bischöfin. Dem bisherigen Vorsitzenden Bätzing dankte sie für die „vertrauensvolle Zusammenarbeit und die freundschaftliche Verbundenheit“.

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, gratulierte Wilmer zur Wahl. Viele Katholiken setzten in ihn die Hoffnung, „er möge für eine glaubwürdige Kirche streiten, die ihre Stärke gleichermaßen aus Konfliktfähigkeit und Zusammenhalt bezieht“. Dabei spiele die bereits zurückgelegte Strecke auf dem Synodalen Weg eine entscheidende Rolle: „Wir brauchen Ihr Herz für Reform und Zusammenhalt.“

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ appellierte an die katholischen Bischöfe, Wilmer „deutlich mehr Unterstützung als gegenüber dem Vorgänger zu gewähren, wenn die aktuelle Kirchenkrise überwunden und die gesellschaftliche Bedeutung der römisch-katholischen Kirche in unserem Land nicht weiter abnehmen soll“. Vom neugewählten Vorsitzenden erwarte man ein entschiedenes Bekenntnis zur Weiterführung synodaler Wege und Strukturen in Deutschland.

Berufliche Station in der New Yorker Bronx

Wilmer wurde am 9. April 1961 im niedersächsischen Schapen geboren. 1980 trat er in die Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester ein. 1987 wurde er zum Priester geweiht. Von 1987 bis 1993 studierte er in Rom und Freiburg. Nach verschiedenen beruflichen Stationen - unter anderem in der New Yorker Bronx - wurde er Schulleiter an einem Gymnasium in Niedersachsen. Von 2007 bis 2015 war Wilmer Provinzial der Deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester in Bonn und im Anschluss bis 2018 Generaloberer der Herz-Jesu-Priester in Rom.

Am 6. April 2018 wurde Wilmer von Papst Franziskus zum 71. Bischof von Hildesheim ernannt. In der Bischofskonferenz ist er seit September 2021 Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen. Er war von 2019 bis 2024 Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax. Sein Vorgänger Bätzing stand sechs Jahre an der Spitze der Bischofskonferenz. Sein Name bleibt eng mit den Reformbemühungen der vergangenen Jahre verbunden.

Auch die Generalsekretärin der Bischofskonferenz, Beate Gilles, wurde im Amt bestätigt. Der katholischen Kirche gehören in Deutschland etwa 19,8 Millionen Menschen an, das entspricht 23,7 Prozent der Bevölkerung.