Stuttgart, Hannover (epd). Der Konvent evangelischer Theologinnen in Deutschland fordert grundlegende Änderungen am geplanten neuen evangelischen Gesangbuch. Die alleinige Anrede Gottes als „Herr“ sei nicht mehr zeitgemäß, teilte die Initiative am Samstag in Stuttgart mit. Zudem sollten mehr Lieder aus der Feder von Frauen und modernere Klagelieder aufgenommen werden. Vorsitzende des Konvents ist die württembergische Wirtschafts- und Sozialpfarrerin Kathinka Kaden.
In einer Stellungnahme kritisiert der Konvent die traditionelle Konzentration auf männliche Gottesbilder. Diese müsse durchbrochen werden. Frauenspezifische, geschlechterumfassende und vielfältige Gottesbilder müssten gleichwertig berücksichtigt werden. Diese Forderung erhebe der Konvent seit Jahrzehnten.
Konvent fordert mehr Feminismus im Liederbuch
Die Theologinnen bemängeln außerdem das Fehlen von Liedern, die sich mit Leid und Gerechtigkeit aus heutiger Sicht befassen. Insbesondere im Bereich der Passionslieder gebe es Lücken. Lieder aus feministisch-theologischen Zusammenhängen könnten hier wertvolle Impulse geben. Der Konvent spricht sich zudem dafür aus, neue Liedtexte aus frauenspezifischen Kontexten aufzunehmen, die bereits seit Jahren in Gottesdiensten präsent seien.
Mit Spannung blickt der Verband auf die Auswahl der 500 Lieder, die in die gedruckte Ausgabe des Gesangbuchs aufgenommen werden sollen. Diese Entscheidung werde weitreichende Bedeutung für die Kirchenpraxis haben. Deshalb müsse sie den Kriterien theologischer, kultureller und musikalischer Vielfalt genügen.
Der Konvent begrüßt zwar die geplante digitale Ausgabe des Gesangbuchs. Gleichzeitig mahnt er aber an, die ökologischen Folgen und Fragen der IT-Sicherheit zu bedenken. Der Standort der Server und der Energieverbrauch müssten transparent gemacht und theologisch reflektiert werden.


