Wirtschaftsweise Grimm: Dänemark als Vorbild für Kündigungsschutz

Wirtschaftsweise Grimm: Dänemark als Vorbild für Kündigungsschutz
Die Wirtschaftsweise Grimm plädiert für eine Lockerung des Kündigungsschutzes nach dänischem Flexicurity-Vorbild, aber nur als Gesamtpaket mit besserer Absicherung, Qualifizierung und Vermittlung.

Berlin (epd). Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat sich für eine Lockerung des Kündigungsschutzes nach dem dänischen Modell ausgesprochen. „Ein generelles Lockern des Kündigungsschutzes, etwa nach dem Vorbild des dänischen Flexicurity-Modells, dürfte sehr sinnvoll sein“, sagte Grimm den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). Allerdings gelte dies nur, wenn es als Gesamtpaket umgesetzt werde.

„In Dänemark wird die größere Kündigungsfreiheit für Unternehmen durch eine vergleichsweise starke soziale Absicherung bei Arbeitslosigkeit sowie eine sehr aktive Arbeitsmarktpolitik mit intensiver Vermittlung und Weiterbildung ausgeglichen“, sagte die Wirtschaftswissenschaftlerin Grimm. Übertrage man allein die Lockerung auf Deutschland, würde dies vor allem zu mehr Unsicherheit und Abstiegsängsten führen.

Lockerung nur für Top-Verdiener „systematisch fragwürdig“

„Deshalb wäre ein solcher Schritt nur dann sozial und ökonomisch vertretbar, wenn gleichzeitig die Absicherung in Übergangsphasen verbessert, Qualifizierung konsequent ausgebaut und Vermittlungsprozesse deutlich effizienter gestaltet werden“, betonte Grimm.

Eine Lockerung des Kündigungsschutzes nur für Top-Verdiener, wie sie der Ökonom Moritz Schularick vorgeschlagen hatte, hält Grimm dagegen nicht für zielführend. Eine solche Differenzierung wirke „auf den ersten Blick sozial ausgewogen“, sei bei näherer Betrachtung jedoch „systematisch fragwürdig“, sagte sie. „Kündigungsschutz ist arbeitsrechtlicher Bestandsschutz und kein Umverteilungsinstrument; er sollte an der Struktur des Arbeitsverhältnisses anknüpfen, nicht an der Höhe des Gehalts.“ Einkommen sei zudem kein verlässlicher Indikator für tatsächliche Schutzbedürftigkeit.