Nairobi (epd). Komplizierte Auflagen oder Verbote erschweren Menschenrechtlern laut der Expertin Laetitia Bader die Dokumentation und Aufklärung von Verbrechen in Konflikten. „Als Menschenrechtsorganisation ist vielfach unklar, was genau wir erfüllen müssen - wir sind weder Journalisten noch eine Hilfsorganisation“, sagte die Direktorin für das Horn von Afrika von „Human Rights Watch“ (HRW) dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Nairobi. Aber es sei wichtig, Straftaten zu dokumentieren, um internationale Aufmerksamkeit auf die Regionen zu lenken, betonte Bader. Zusammen mit ihrem Kollegen, dem Krisenforscher Jean-Baptiste Gallopin, hat sie jüngst zu Verbrechen in der sudanesischen Regionalhauptstadt Al-Faschir recherchiert.
In vielen Ländern werde Organisationen wie HRW der Zugang komplett verwehrt, wie im Sudan, wo eine Recherche bereits vor Beginn des Krieges zwischen der Armee und der paramilitärischen RSF-Miliz im April 2023 kaum möglich war, wie Bader sagte. Für die Nachforschungen zu Al-Faschir, das anderthalb Jahre von der RSF belagert wurde, bevor es im Oktober unter deren Kontrolle fiel, hätten sie deshalb an die tschadische Grenze zum Sudan ausweichen müssen. Dort hätten die Behörden schnell eine Genehmigung erteilt.
Fragen zu sexueller Gewalt nur im persönlichen Gespräch
Um Informationen zu erhalten, spreche HRW oft mit Menschen, die ihnen lokale Kontaktpersonen wie Journalisten oder Beschäftigte von Hilfsorganisationen vermittelt haben, erläuterte Bader. In den Flüchtlingslagern Ouré Cassoni und in Tiné an der Grenze zwischen Tschad und Sudan hätten sie mit über 100 Menschen geredet, die aus Al-Faschir geflohen sind. „Für die Offenheit bei solchen Gesprächen sind eine Ausgewogenheit im Team und Übersetzer, die den Dialekt der Menschen sprechen, entscheidend.“
In unzugänglichen Gebieten behilft sich HRW mit Telefoninterviews, zusätzlich zur Auswertung von Satellitenbildern und Videos. So hätten sie von Verbrechen bei der Eroberung von Al-Faschir durch die RSF gewusst, bevor sie mit Augenzeugen gesprochen hätten, sagte Bader. „Nur in persönlichen Gesprächen stellen wir auch gezielt Fragen zu sexueller Gewalt und Folter.“ Dabei brauche es mindestens zwei übereinstimmende Aussagen, um Vorfälle in ihre Dokumentation aufzunehmen und zu verifizieren.
„Es ist ein Privileg, dass die Menschen mit uns sprechen und uns ihre Erlebnisse anvertrauen, auch wenn wir nicht direkt etwas für sie tun können“, betonte Bader. Aber mit ihren Berichten wollten sie Druck auf internationale Akteure ausüben. „Es hat mich überrascht, wie viele Menschen von Gerechtigkeit gesprochen haben.“


