Tiefgreifende Veränderungen: Neuer Name für Norddeutsche Mission

Tiefgreifende Veränderungen: Neuer Name für Norddeutsche Mission
Die Norddeutsche Mission in Bremen plant eine Namensänderung. Die Überlegungen sind eine Konsequenz aus einem kritischen Blick auf die koloniale Geschichte und einem neuen Selbstverständnis. Was hinter dem Kurswechsel steckt und wie es weitergeht.
18.02.2026
epd
epd-Gespräch: Dieter Sell

Bremen (epd). Die Norddeutsche Mission mit Sitz in Bremen steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Dazu gehört unter anderem eine Namensänderung, über die nach den Worten ihrer Generalsekretärin Heike Jakubeit gerade nachgedacht wird. „Wir möchten den Begriff der Mission ablegen, weil wir uns nicht mehr in der Linie einer Organisation sehen, die Mission betreibt“, sagte die leitende Theologin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das sei das Ergebnis einer Entwicklung, die im Grunde schon in den 1960er Jahren begonnen und sich seit einiger Zeit in der Diskussion um Mission und Kolonialismus verstärkt habe.

Vor 190 Jahren haben lutherische und reformierte Christen die Norddeutsche Missionsgesellschaft in Hamburg gegründet. Seit 1851 hat sie ihren Sitz in Bremen und heißt heute „Norddeutsche Mission“. Unter dem Dach des Gemeinschaftswerkes arbeiten gleichberechtigt sechs Kirchen zusammen. Dazu gehören die Bremische Evangelische Kirche, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, die Evangelisch-reformierte Kirche und die Lippische Landeskirche sowie evangelische Kirchen in den westafrikanischen Ländern Ghana und Togo.

„Kein Oben und Unten“

„Die Missionare, die in den Anfangsjahren entsandt wurden, waren kolonial geprägt und hatten ein eurozentrisches Denken“, blickt die evangelische Pastorin Jakubeit zurück. Sie hätten sich als Menschen erster Klasse gesehen und den Afrikanerinnen und Afrikanern ihre Überzeugungen übergestülpt. „Damit haben wir uns kritisch auseinandergesetzt und tun es noch. So wie die Mitgliedskirchen unseres Werkes heute zusammenarbeiten, passt der Begriff 'Mission' nicht. Da gibt es kein Oben und Unten.“

Ein neuer Name könne auch helfen, etwa bei der Spendenakquise neue Zielgruppen anzusprechen, bekräftigte die Generalsekretärin. „Wir glauben, dass wir durch die Arbeit, die das Werk leistet, gute Anknüpfungspunkte haben, um Brücken zu bauen. Was wir tun, ist geprägt von Themen der globalen Gerechtigkeit und der Bewusstseinsbildung für eine vielfältige Gesellschaft.“ Auf der 200. Hauptversammlung der Norddeutschen Mission im Juni kommenden Jahres auf Borkum solle der neue Name vorgestellt werden. So viel könne sie schon verraten, sagte Jakubeit: „Die Begriffe 'Norddeutsch' und 'Mission' werden nicht mehr vorkommen.“

Vielfältige Hilfsprojekte

Das Werk hat Jakubeit zufolge einen Jahresetat von rund 1,4 Millionen Euro. Davon seien 760.000 Euro Mitgliedsbeiträge, 370.000 Euro Spenden und 260.000 Euro Drittmittel. „Mehr als 50 Projekte und über 30 längerfristige Programme, die die Mitgliedskirchen aus Ghana und Togo zur Förderung vorgeschlagen haben, werden von der Norddeutschen Mission unterstützt. Sie reichen von Gesundheitsstationen über Ausbildungs- und Schulinitiativen bis zur Landwirtschaft und Aufforstung.“