Nationalisten sichern sich Erdrutschsieg in Bangladesch

Nationalisten sichern sich Erdrutschsieg in Bangladesch
Bei den ersten Wahlen nach dem Sturz von Premierministerin Sheikh Hasina in Bangladesch hat die nationalistische BNP einen deutlichen Sieg errungen. Ihr Vorsitzender Tarique Rahman wird voraussichtlich am Wochenende neuer Regierungschef.
13.02.2026
epd
Von Natalie Mayroth (epd)

Mumbai, Dhaka (epd). Bereits am Wahlabend feierten sie siegesgewiss: Die Mitte-Rechts-Partei BNP hat die ersten Parlamentswahlen in Bangladesch nach dem politischen Umbruch 2024 deutlich gewonnen. Die Nationalisten und ihr Bündnis erreichten am Donnerstag nach offiziellen Angaben 212 von insgesamt 300 zu wählenden Parlamentssitzen, wie die Zeitung „Prothom Alo“ (Online) am Freitag berichtete. Das andere im Wahlkampf dominierende Lager von der islamistischen Jamaat-e-Islami und der aus der Studierendenbewegung hervorgegangenen National Citizen Party (NCP) gewann mindestens 77 Wahlkreise. Davon gingen sechs Sitze an die NCP.

Erster gewählter Premierminister seit dem Sturz von Regierungschefin Sheikh Hasina wird voraussichtlich BNP-Chef Tarique Rahman (60). Der Sohn früherer Spitzenpolitiker rief zu einem Gebet statt einer Siegerrallye auf. Er soll laut Medienberichten bereits am Wochenende vereidigt werden. Rahman wird ein indienfreundlicher, insgesamt stärker westlich orientierter Kurs nachgesagt als der Jamaat-e-Islami.

Die Ergebnisse für drei Wahlkreise standen am Freitagnachmittag (Ortszeit) noch aus. 50 weitere, für Frauen reservierte Mandate, werden später vergeben. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 60 Prozent. Während der Abstimmung kam es nur zu einzelnen Zwischenfällen. Jamaat-e-Islami äußerte Vorbehalte gegen den Auszählungsprozess.

Awami Liga von gestürzter Sheikh Hasina ausgeschlossen

Die letzten freien Wahlen gab es in Bangladesch 2008. Seither prägten Machtkonzentration, Repression und umstrittene Abstimmungen das politische System. Im Sommer 2024 stürzten wochenlange von Studierenden angeführte Proteste das Regime von Premierministerin Sheikh Hasina. Dabei wurden Schätzungen zufolge etwa 1.400 Menschen getötet. Sheikh Hasina floh nach Indien ins Exil und wurde von einem Sondergericht in Abwesenheit wegen Menschenrechtsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Anhänger ihrer Awami Liga sehen im Urnengang vom Donnerstag keine freie Wahl, da die Partei davon ausgeschlossen wurde.

Die Übergangsregierung von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus bereitete die Parlamentswahl vor. Rund 2.000 Kandidatinnen und Kandidaten traten an, darunter 85 Frauen. Abgestimmt wurde außerdem über eine Verfassungsreform, wofür sich 65,5 Prozent der Wahlbeteiligten ausgesprochen haben. Innerhalb von 180 Tagen soll eine verfassungsgebende Versammlung die von der Übergangsregierung ausgearbeiteten Reformen beschließen. Yunus hatte dafür geworben und eine friedliche Machtübergabe versprochen.