Weitere Orte im Sudan erleiden Hungersnot

Weitere Orte im Sudan erleiden Hungersnot
Der Krieg im Sudan hat Millionen Menschen in eine Hungerkrise getrieben. Nun stufen die UN und Hilfswerke die Lage in weiteren Orten als Hungersnot ein.

Nairobi, Khartum (epd). Die Hungersnot im Sudan breitet sich aus. Die Initiative gegen den Hunger von UN und Hilfswerken IPC stufte am Donnerstag die Situation in weiteren Gebieten in der umkämpften Region Nord-Darfur als Hungersnot ein. In den Orten Um Baru und Kernoi ist demnach mindestens jedes dritte Kind unter fünf Jahren unterernährt, teils sogar die Hälfte. Auch die Zahl der Menschen, die verhungern, hat sich laut IPC erhöht.

Bereits 2025 hatte das IPC („Integrated Food Security Phase Classification“) in den Städten El Fasher und Kadugli eine Hungersnot ausgerufen, die schlimmste von fünf Stufen zur Ernährungslage auf der IPC-Skala. Auch im Vertriebenenlager Zamzam in Nord-Darfur hatte die Initiative eine Hungersnot festgestellt.

Seit der Eskalation eines Machtkampfs zwischen der Armee und der paramilitärischen RSF-Miliz 2023 herrscht im Sudan ein Krieg, der eine der schlimmsten Hunger- und Vertreibungskrisen hervorgerufen hat. Durch die Gewalt und Blockaden der Kriegsparteien ist humanitäre Hilfe in vielen Gebieten nur eingeschränkt möglich.

„Überlebenskrise“ im Sudan

Die Hungersnot sei das Ergebnis „monatelanger Belagerung, Gewalt und Gleichgültigkeit”, erklärte der Landesdirektor der Hilfsorganisation “Aktion gegen den Hunger„ im Sudan, Samy Guessabi. “Viele Familien ernähren sich von Blättern oder Tierfutter. Das ist nicht nur eine Nahrungsmittelkrise, das ist eine Überlebenskrise." Nach UN-Angaben hungert etwa die Hälfte der Bevölkerung.

Eine Hungersnot herrscht laut der IPC-Skala, wenn in einem Gebiet 20 Prozent der Haushalte an extremem Lebensmittelmangel leiden, 30 Prozent der Kinder akut mangelernährt sind und zwei von 10.000 Menschen pro Tag verhungern. IPC und „Aktion gegen den Hunger“ warnen, dass sich die Lage im Sudan wegen ausbleibender Hilfsgelder noch verschärfen wird. Weitere Regionen in Darfur und Kordofan seien akut von einer Hungersnot bedroht.