Biblische Krankheit längst nicht besiegt

Eine Frau blickt in die Kamera, sie trägt ein blaues Tuch um den Kopf.
epd-bild/Sabine Ludwig
Die an Lepra erkrankte Afghanin Zahra lebt im Zentralgebirge von Afghanistan. Zuerst war es nur eine roetlich-braune Stelle am Fuß, dann breitet es sich aus. (Archivbild 2015)
Welt-Lepra-Tag
Biblische Krankheit längst nicht besiegt
Lepra ist vielfach vergessen, obwohl es jährlich noch immer mehr als 170.000 Lepra-Fälle gibt. Der Welt-Lepra-Tag macht auf die vernachlässigte Tropenkrankheit aufmerksam.

Fast 500 neue Lepra-Fälle pro Tag, mehr als 172.000 im Jahr: Allein die gemeldeten Zahlen zeigen laut Deutscher Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW), dass die aus biblischen Zeiten bekannte Krankheit noch längst nicht besiegt ist.

Dazu wird eine hohe Dunkelziffer angenommen. Zum Welt-Lepra-Tag an diesem Sonntag ruft die DAHW zum stärkeren Einsatz gegen die vergessene Krankheit auf.

Dass sich die eigentlich heilbare Lepra noch immer verbreitet, schreibt die Hilfsorganisation mit Sitz in Würzburg vor allem mangelndem Wissen gepaart mit Vorurteilen zu. Lepra sei extrem stigmatisiert, erklärte Bildungsreferentin Saanika Amembal. "Viele trauen sich nicht, zum Arzt zu gehen, weil sie befürchten, ausgegrenzt zu werden." Das führe auch zu einer vermutlich hohen Dunkelziffer.

Lebenslange Behinderungen und soziale Ausgrenzung

Wird die Krankheit nicht erkannt und behandelt, wird einerseits die Infektionskette nicht durchbrochen, andererseits kommt es bei den Infizierten zu Entzündungen und den typischen Verstümmelungen. Unter lebenslangen Behinderungen nach einer Infektion leiden laut DAHW weltweit rund drei Millionen Menschen.

Auch sie werden teils immer noch sozial ausgegrenzt und stigmatisiert. Wenn hingegen rechtzeitig Antibiotika eingenommen werden, ist die bakterielle Krankheit ohne dauerhafte Behinderungen heilbar.

Lepra gilt als Krankheit der Armut. Sie treffe Menschen, die oft keinen Zugang zu gesundheitlicher Versorgung, zu Diagnose und Behandlung hätten, erklärte die DAHW. Eine Lepra-Erkrankung wiederum bedeute für die meisten Betroffenen aufgrund der sichtbaren Behinderungen, sozialer Ausgrenzung, Diskriminierung und Stigmatisierung ein Leben in Armut.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Lepra zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten. Nahezu alle Neuinfektionen treten in Entwicklungs- und Schwellenländern auf.

Lepra ist eine von Bakterien ausgelöste Krankheit, deren Erreger die Haut und das Nervensystem befallen. Sie äußert sich zunächst durch Hautflecken und Gefühllosigkeit an diesen Stellen, besonders an Armen, Beinen oder am Kopf.

Verletzen sich die Erkrankten dort, spüren sie es nicht - es kommt zu folgenschweren Entzündungen und zu den typischen Verstümmelungen.

Mehr als 170.000 Neuerkrankungen im Jahr wurden zuletzt registriert. Daneben wird eine hohe Dunkelziffer angenommen. Lepra gilt als Krankheit der Armut. Rund 95 Prozent der Fälle werden aus Entwicklungs- und Schwellenländern gemeldet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Lepra zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTDs).

Rechtzeitige Diagnose verhindert Behinderungen

Bei rechtzeitiger Diagnose ist die Krankheit ohne dauerhafte Schäden heilbar. Gegen den schon in der Bibel erwähnten "Aussatz" gibt es seit etwa 40 Jahren eine Medikamententherapie aus einer Kombination von Antibiotika. Oft leben die Erkrankten aber in abgelegenen Regionen, trauen sich aus Angst vor Stigmatisierung nicht zum Arzt oder können sich keinen Arztbesuch leisten.

Weil die Lepra häufig zu spät entdeckt und behandelt wird, leiden weltweit noch immer mehrere Millionen Menschen an leprabedingten Behinderungen.
Armut mit unzureichenden Wohnverhältnissen und geschwächtem Immunsystem begünstigt eine Infektion. So war die Lepra auch im Mittelalter noch in Europa ein großes Problem. Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit dauert es im Durchschnitt drei bis vier Jahre, es wurden sogar Fälle mit bis zu 30 Jahren bekannt.

Keine Ansteckung durch Berührung

Das Lepra-Bakterium wurde 1873 von dem Norweger Gerhard Armauer Hansen entdeckt. Die WHO hat Lepra - auch Hansen-Krankheit genannt - mittlerweile als Tröpfcheninfektion klassifiziert. Eine einfache Berührung reicht für eine Ansteckung nicht aus. Der Kontakt zu einem erkrankten Menschen muss dafür eng und längerfristig sein.

Geheilte Lepra-Patienten leiden oft ihr Leben lang noch unter den sichtbaren Folgen der Krankheit - nicht nur gesundheitlich, sondern auch gesellschaftlich. Noch immer werden viele von ihrer Umgebung gemieden und diskriminiert. Um auf die Not aufmerksam zu machen, wurde 1954 der Welt-Lepra-Tag eingeführt. Er fällt alljährlich auf den letzten Sonntag im Januar.