Wiesbaden (epd). Unterschiede im Bildungserfolg von Kindern liegen einer Untersuchung zufolge maßgeblich an der Förderung durch bildungs- und einkommensstarke Eltern für ihren Nachwuchs. Diese Förderung sei ein zentraler Erklärungsansatz dafür, dass die familiäre Herkunft in Deutschland maßgeblich für die Bildungsbiografien von Kindern sei, teilte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) am Mittwoch in Wiesbaden mit. Grundlage der Analyse seien Daten aus der Zeitverwendungserhebung von 2022 und der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe von 2018.
Die Unterschiede in der kindlichen Entwicklung nach familiärem Hintergrund seien in Deutschland besonders stark ausgeprägt und bereits vor Schuleintritt deutlich messbar, erläuterte Studienautorin Sophia Schmitz vom BiB. Nach den Studienergebnissen liege dies daran, dass Kinder und Jugendliche aus bildungsferneren Haushalten durchschnittlich knapp 20 Minuten pro Tag weniger Zeit mit ihren Eltern mit Lesen, Vorlesen, Hausaufgaben oder Gesprächen verbringen als Kinder aus Akademikerhaushalten. Diese 20 Minuten pro Tag entsprächen im Grundschulalter rund zwölf Prozent der Unterrichtszeit. Zudem geben Haushalte mit hohem Einkommen bis zu dreimal so viel Geld für Nachhilfe, Bücher und außerschulische Aktivitäten aus.
Familien niedrigschwellig fördern
„Die Befunde zeigen dringenden Handlungsbedarf, um den Bildungsort Familie für die Ausschöpfung aller Bildungspotenziale zu stärken“, sagte Katharina Spieß, die Direktorin des BiB und Mitautorin der Studie. Vielversprechend seien dazu Programme, die Informations- und Verhaltensbarrieren aufseiten der Eltern abbauen und elterliche Bildungsinvestitionen frühzeitig fördern, etwa im Rahmen der Frühen Hilfen.
Um möglichst viele Eltern zu erreichen, empfiehlt die Studie, Angebote der Familienbildung eng an außerfamiliäre Bildungseinrichtungen wie Kitas und Schulen anzubinden. Ergänzend könnten finanzielle Unterstützung wie das Bildungs- und Teilhabepaket Familien entlasten.


