Genitalverstümmelung: Kindernothilfe befürchtet Rückschritte

Genitalverstümmelung: Kindernothilfe befürchtet Rückschritte
Dürre und Hunger sorgen für Not am Horn von Afrika. Das gefährdet laut der Kindernothilfe auch "mühsam erkämpfte Erfolge" gegen weibliche Genitalverstümmelung.

Duisburg (epd). Die Kindernothilfe warnt vor Rückschritten im Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung. Am Horn von Afrika führt die anhaltende Dürrekatastrophe dazu, dass „mühsam erkämpfte Erfolge“ verloren gehen, erklärte die Hilfsorganisation am Dienstag in Duisburg mit Blick auf den Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung (6. Februar). Hunger und Not träfen besonders Mädchen und Frauen und machten es schwerer, die Menschen mit Aufklärungsarbeit zu erreichen, erklärte Asia Abdulkadir, Landeskoordinatorin der Organisation in Somaliland.

Die Dürre vernichte die Lebensgrundlagen von Familien. Das führt laut der Kindernothilfe dazu, dass Töchter früher verheiratet werden, um die Mitgift zu erhalten und weniger Kinder versorgen zu müssen. Da das Beschneiden der weiblichen Genitalien in Teilen Somalilands als Voraussetzung für die Heiratsfähigkeit gelte, steige so auch das Risiko der Verstümmelung junger Mädchen.

Laut den Vereinten Nationen sind weltweit mehr als 230 Millionen Frauen und Mädchen von Genitalverstümmelung betroffen und jährlich kommen vier Millionen hinzu. Im Zuge der Agenda 2030 hat die Weltgemeinschaft sich vorgenommen, die Praxis zu beenden.

UN-Ziel nicht aus dem Blick verlieren

„Ohne gezielte Investitionen rücke das Ziel der Vereinten Nationen, die Kinderrechtsverletzung bis 2030 zu beenden, in unerreichbare Ferne“, warnte die Organisation. Die Grundversorgung für die Menschen müsse mit Nahrung, sauberem Wasser und medizinischer Hilfe gesichert werden, forderte Landeskoordinatorin Abdulkadir. „Nur so lässt sich auch die Gewalt gegen Frauen und Mädchen eindämmen.“ Die Hilfsorganisation klärt nach eigenen Angaben seit Jahren Dorfgemeinschaften vor Ort über das Thema auf und bestärkt Mädchen und Frauen in ihrem Recht auf körperliche Selbstbestimmung.

Bei einer weiblichen Genitalverstümmelung werden nach Kindernothilfe-Angaben bei Mädchen die äußeren Geschlechtsorgane teilweise oder vollständig entfernt, meist ohne Betäubung, mit Rasierklingen oder Scherben. Viele Mädchen sind erst 14 Jahre alt oder jünger, wenn sie der Tortur unterzogen werden. Besonders in afrikanischen Ländern wie Somalia ist die Praxis tief verwurzelt, fast alle Frauen dort mussten und müssen diesen Eingriff erleiden.