Stuttgart (epd). Der katholische Reformdialog Synodaler Weg hat nach Einschätzung des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, Türen geöffnet. So nehme man etwa queere und homosexuelle Menschen in der katholischen Kirche heute anders wahr, sagte Bätzing am Donnerstag in Stuttgart anlässlich der Eröffnung der sechsten und letzten Synodalversammlung. Viele katholische Christen empfänden das als eine Art „Aufatmen“. Er gehe sehr zuversichtlich in die Synodalversammlung, sagte Bätzing, „weil der Kulturwandel, der gelungen ist, mich einfach erfreut“. Der Limburger Bischof ist zugleich Präsident des Synodalen Weges.
Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Präsidentin des Synodalen Weges, Irme Stetter-Karp, sagte, sie sei froh „um alles was wir erreicht haben“. Sie beobachte ein neues, gutes Miteinander zwischen Bischöfen und Laien: „Wir haben einen Kulturwandel im Miteinander. Das ist die Grundlage für alles, was jetzt vor uns liegt.“ Stetter-Karp zeigte sich überzeugt davon, dass Christen Wertvolles beizutragen hätten zu Frieden, Freiheit und Gemeinsinn. Deshalb dürfe sich die Kirche nicht mit sich selbst aufhalten. Sonst verspiele sie Vertrauen.
Thomas Söding, Vizepräsident des ZdK und des Synodalen Weges, sagte, die Probleme, die der Synodale Weg bearbeite, seien weltweite Probleme der katholischen Kirche: „Nämlich zu wenig Machtkontrolle, zu viel Klerikalismus, zu wenig Frauenrechte, zu viel Exklusion aufgrund der sexuellen Orientierung“.
Reformprozess infolge des Missbrauchsskandals
Der Synodale Weg endet am Samstag. Die mehr als 200 Teilnehmer der Synodalversammlung treffen sich in Stuttgart ein letztes Mal, um die Fortschritte bei der Umsetzung der Beschlüsse zu evaluieren. Damit endet der mehrjährige Reformprozess, der die Kirche infolge des Missbrauchsskandals aus der Vertrauenskrise führen sollte.
2019 hatten die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ein Diskussionsforum beschlossen, in dem Bischöfe und Laien gleichberechtigt über Reformen beraten und abstimmen. Bis 2023 wurden 15 Texte mit Reformvorschlägen verabschiedet.
Die Texte beinhalten Vorschläge, die die Macht von Klerikern begrenzen sollen. Doch viele Beschlüsse seien noch nicht vollständig umgesetzt, kritisieren Reformgruppen und Kirchenbasis. Vertreter demonstrierten vor dem Tagungshotel mit Gesang und Transparenten.
Vatikan intervenierte mehrfach
Der Vatikan hatte mehrfach während des Prozesses interveniert, zuletzt wegen Planungen zu einem dauerhaften synodalen Gremium, in dem Bischöfe und Laien gemeinsam beraten und Beschlüsse fassen sollen. Der Vatikan hatte verboten, dass ein solches Gremium die Entscheidungsmacht der Bischöfe einschränkt. Die Satzung für die sogenannte Synodalkonferenz wurde jedoch verabschiedet, wartet aber noch auf die Zustimmung der Bischöfe und die Approbation des Heiligen Stuhls. Das Gremium soll aber in diesem Jahr bereits erstmals tagen.
Unter den Bischöfen sind auch Gegner des Reformdialogs - etwa der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki, der zusammen mit seinen Weihbischöfen der Synodalversammlung fernblieb. Auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer nahm nicht teil.


