Berlin (epd). Drohungen und Beleidigungen im Netz stoßen bei einem nicht geringen Anteil der jüngeren Generation einer Umfrage zufolge auf Akzeptanz. Jeder zehnte Mensch zwischen 16 und 39 Jahren in Deutschland befürwortet offen Hass im Netz, illegale Protestaktionen und sogar Gewalt gegen Politiker und Politikerinnen, wie aus der Studie „Next Generations“ der Allianz Foundation hervorgeht, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt.
Jeder zehnte Jugendliche und junge Erwachsene befürwortete demnach ausnahmslos Aussagen wie „Es macht mir Spaß, andere für ihre unsinnigen politischen Meinungen online zu attackieren“ oder „Einige Politiker haben es verdient, wenn die Wut gegen sie auch mal in Gewalt umschlägt“. Dabei gibt es einen Geschlechterunterschied: Während 13 Prozent der jungen Männer radikale Mittel befürworten, sind es 7 Prozent bei den jungen Frauen.
Mehr als ein Viertel hat Backlash-Tendenz
21 Prozent der jungen Menschen stimmten der Studie zufolge den Aussagen zumindest teilweise zu. Besonders hoch sei die Zustimmung bei jungen Menschen, die mit dem politisch rechten Spektrum sympathisieren. „Besonders alarmierend ist, dass dieser Teil der jungen Menschen die Errungenschaften unserer Demokratie infrage stellt“, sagte Studienleiter Simon Morris-Lange.
Die Missachtung einer respektvollen Debattenkultur sei ein „Nährboden für radikale Backlash-Bewegungen“, erklärte er. Der Umfrage zufolge befürwortet mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine rückwärtsgewandte Politik, um ein vermeintlich besseres Gestern zu erreichen, auch wenn das auf Kosten anderer geht. Sie befürworten den Angaben zufolge, weniger Rücksicht auf Zugewanderte und andere Minderheiten zu nehmen und traditionelle Geschlechterrollen zu stärken.
Für die Studie wurden rund 8.500 Menschen der Altersgruppe aus Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Spanien befragt. Deutschland liegt mit seinen Werten dabei im Durchschnitt. In Italien sind die Zustimmungsraten zu radikalen Mitteln deutlich geringer, in Frankreich höher.


