Darmstadt (epd). Die evangelische Kirche bringt nach den Worten der hessen-nassauischen Kirchenpräsidentin Christiane Tietz Menschen verschiedener Institutionen und gesellschaftlicher Bereiche zusammen. In ihrem ersten Amtsjahr habe sie erfahren, welche große Bedeutung diese Vernetzung habe, sagte Tietz dem Evangelischen Pressedienst (epd). Damit gelinge es, Menschen über ihre Bubbles, also den Kreis von Gleichgesinnten hinaus, miteinander ins Gespräch zu bringen, „damit nicht nur jene miteinander reden, die ohnehin der gleichen Meinung sind“. Tietz ist seit 1. Februar 2025 Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).
In vielen Gesprächen mit nichtkirchlichen Akteuren habe sie deutlich die Relevanz der Kirche gespürt und auch, welche Erwartungen an sie gestellt werden. Das ändere sich auch nicht durch die sinkenden Mitgliedszahlen. „Denn Relevanz ist keine Frage, wie groß wir sind, sondern was die Gesellschaft gegenwärtig braucht“, sagte Tietz. Und das seien Glaube, Hoffnung, Nächstenliebe und Begegnung. Gerade in der gegenwärtigen Situation der Vereinzelung brauche es Orte des gemeinsamen Erlebens: „Wir schaffen diese Orte für Begegnung, das kann etwas so Einfaches sein wie ein Gemeindefest.“
In den Gemeinden verschiedene Schwerpunkte setzen
Den Prozess „ekhn2030“, in dessen Umsetzung die EKHN bis 2030 im Haushalt 140 Millionen Euro und bis 2035 weitere 75 Millionen Euro einsparen muss, sieht Tietz nicht als Gefährdung für die Vielfalt der Kirche. Trotz der schrumpfenden finanziellen und personellen Mittel könne die EKHN eine in der Gesellschaft hörbare Stimme bleiben. Die Idee des Zusammengehens der Gemeinden in größeren Einheiten, den Nachbarschaftsräumen, sei es, die Vielfalt zu bewahren. In jeder Gemeinde könnten andere Schwerpunkte gesetzt werden.
Mit der Kommunikation auf Social Media mache sie unterschiedliche Erfahrungen, sagte die Kirchenpräsidentin. Zum einen gebe es auf ihre Posts durchaus positive Resonanz, manchmal lösche sie Kommentare aber auch. Gegen Kritik habe sie gar nichts einzuwenden, betonte Tietz, aber mitunter schrieben Menschen „völlig unangebrachte, menschenverachtende Kommentare“, und das nicht nur zu ihrer Person. Sie frage sich oft, „was mit uns los ist, woher dieser raue Ton kommt und wo das Miteinanderreden und das Mitgefühl füreinander geblieben sind“.
Frage nach Verteidigung ist dringender geworden
Dass die neue Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die Verteidigung priorisiert, damit ein „gerechter Frieden“ bewahrt werden könne, findet Tietz richtig. Seit dem völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine sei die Frage nach Verteidigung dringender geworden. Allerdings spreche sich die Denkschrift nicht pauschal für Aufrüstung aus, sondern betone die Notwendigkeit von Rüstungskontrollen.


