Bonn (epd). Der Nahost-Bischof der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Udo Markus Bentz, hat beklagt, dass Palästinenser angesichts von Siedlerübergriffen im Westjordanland an Auswanderung denken. „Da ist im Schatten von Gaza eine Dynamik im Gang, die bei uns oft übersehen wird, die aber auf keinen Fall hingenommen werden darf. Siedlergewalt und Siedlungsbau müssen sofort ein Ende haben“, sagte Bentz laut Mitteilung der Bischofskonferenz am Donnerstag in Bonn.
Das Existenzrecht des palästinensischen Volkes dürfe nicht infrage gestellt werden. „Dafür treten wir genauso ein wie für das Existenzrecht Israels und seine Sicherheit“, sagte der Paderborner Erzbischof. Es seien allerdings Muster erkennbar, die darauf abzielten, eine stabile Zukunft der palästinensischen Bewohner zu verunmöglichen, warnte er.
Wohnungsleerstand ist ein Alarmsignal
Bentz hatte sich aus Anlass eines internationalen Bischofstreffens seit dem Wochenende in Israel und den palästinensischen Gebieten aufgehalten. Nach einem Besuch in der christlichen Ortschaft Taybeh im Westjordanland berichtete er von einem Graffiti am Ortseingang, auf dem mutmaßlich radikale jüdische Siedler geschrieben hätten: „Ihr habt hier keine Zukunft“. Das Dorf war im vergangenen Juli von radikalen Siedlern attackiert worden.
Der Erzbischof sagte: „Im direkten Kontakt mit den Menschen vor Ort zeigt sich, wie sehr die Einschüchterungsversuche und direkten Attacken in den vergangenen Monaten zugenommen haben, ohne dass die israelischen Sicherheitskräfte wirksam eingreifen.“ Immer mehr Menschen dächten an Auswanderung. Der hohe Wohnungsleerstand etwa in Taybeh sei ein Alarmzeichen, dass die Menschen gehen.


