Kabarettist Schroeder warnt vor "pädagogischem Impetus"

Kabarettist Schroeder warnt vor "pädagogischem Impetus"
"Macht Demokratie glücklich" fragte am Mittwochabend eine Diskussionsveranstaltung in Berlin. Der Kabarettist Florian Schroeder ist da vorsichtig und sieht ein Problem für die liberale Gesellschaft.

Berlin (epd). Der Kabarettist und Buchautor Florian Schroeder findet einen „pädagogischen Impetus“ in der liberalen Gesellschaft problematisch. Der Liberalismus habe das Problem, dass er Freiheit verspreche, gleichzeitig aber für gewisse Regeln in einer Gesellschaft sorgen müsse, sagte er bei einer Diskussionsveranstaltung am Mittwochabend in Berlin. Diese „Paradoxie des Liberalismus“ führe dazu, dass Menschen das Gefühl hätten, erzogen zu werden, was Gegenreaktionen auslöse.

Als Beispiel nannte Schroeder Fußballtore in Pissoirs, die dafür sorgen sollen, „dass nicht so viel danebengeht“. Wer nicht bereit sei, bei diesen Dingen mit erzieherischem Charakter mitzumachen, werde in die Position der Scham gebracht.

Versprechen von Populisten gefährlich

Schroeder diskutierte mit dem Stressforscher Mazda Adli und der Berliner Pfarrerin Jasmin El-Manhy bei einer Veranstaltung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Kooperation mit der Hertie Stiftung über die Frage „Macht Demokratie glücklich?“. Schroeder sagte, die Voraussetzung für Glück sei Freiheit. Die Versprechen der Populisten seien deshalb so gefährlich. „Sie stehen angeblich für Meinungsfreiheit. Kaum sind sie an der Macht, tun sie das Gegenteil, sie schränken Meinungsfreiheit ein“, sagte er.

Die Theologin El-Manhy sagte, auch der Kirche sei „Moralisieren nicht fremd“. Sie sprach sich dafür aus, dafür zu sorgen, dass Kirchen wieder stärker öffentliche Orte für das Aufeinandertreffen verschiedener Menschen werden. Es gebe das „Problem der Milieuverengung“ in der Kirche.

Der Berliner Psychiater Adli verwies auf den in Studien nachgewiesenen Zusammenhang von sozialer Isolation und Nähe zu populistischen Positionen. Das sei auch der Preis, den man für die Individualisierung bezahle, sagte er.