Duisburg (epd). Die Zahl der Erwerbstätigen im Rentenalter nimmt in Deutschland deutlich zu. Zwischen 2013 und 2023 stieg die Erwerbstätigenquote der 65- bis 69-Jährigen von 13 auf 20 Prozent, wie der am Dienstag vorgelegte Altersübergangs-Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen und der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung feststellt.
Der Arbeitsforscher der Hochschule, Martin Brussig, sprach von einem klaren Trend auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Getrieben wird die Entwicklung vor allem durch die ins Rentenalter kommenden Babyboomer, wie der Soziologieprofessor und Arbeitsmarktforscher erklärte. Angesichts des Fachkräftemangels stünden sie im Fokus der Politik. Mit Instrumenten wie der Aktivrente sollen sie länger im Erwerbsleben gehalten werden - durch einen späteren Renteneintritt oder durch Arbeit neben dem Rentenbezug.
Aktivrente hat nur begrenzten Einfluss, um die Fachkräftelücken zu füllen
Die aktuellen Daten zeigten jedoch auch: Der Beitrag erwerbstätiger Rentner, um Fachkräftelücken zu schließen, ist begrenzt. Denn mit zunehmendem Alter sinke der Anteil der Vollzeitbeschäftigten deutlich, die Beschäftigung in Teilzeit nehme zu. Rund die Hälfte der arbeitenden Rentner sei weniger als 15 Stunden pro Woche tätig. Zudem gebe es klare soziale Unterschiede, hieß es. Männer arbeiteten häufiger als Frauen, Westdeutsche häufiger als Ostdeutsche und höher Qualifizierte häufiger als Geringqualifizierte.
Zugleich finden sich laut der Untersuchung in der öffentlichen Verwaltung weniger Rentner, die neben dem Rentenbezug erwerbstätig sind, als im bundesweiten Durchschnitt. Bei Frauen sei der Anteil noch geringer. Nach Einschätzung von Brussig liegt das weniger an ungeeigneten Arbeitsbedingungen, sondern eher an der Personalpolitik. Die öffentliche Verwaltung sei ein „gutes Beispiel, um zu verdeutlichen, dass der Schlüssel für eine weiter zunehmende Erwerbsbeteiligung von Älteren mit Rentenbezug nicht nur in der Aktivierung der Rentnerinnen und Rentner, sondern auch in der Anpassung der Personalpolitik der Betriebe liegt“.


