Tausende demonstrieren für ökologischere Landwirtschaft

Tausende demonstrieren für ökologischere Landwirtschaft
Das "Wir haben es satt!"-Bündnis hat in Berlin für eine biologisch-ökologischere Landwirtschaft demonstriert. Unter anderem ging es um die Vereinbarkeit von Umweltschutz, Tierwohl und Einkommen.

Berlin (epd). In Berlin haben am Samstag 60 Organisationen des „Wir haben es satt!“-Bündnisses für eine gemeinwohlorientierte Agrarpolitik demonstriert. An der Kundgebung vor dem Brandenburger Tor und dem anschließenden Demonstrationszug durch Berlin-Mitte nahmen nach Angaben der Organisatoren rund 8.000 Personen teil, zudem fuhren etwa 45 Traktoren. Die Polizei sprach von 2.500 Teilnehmenden.

Das Bündnis setzt sich für eine biologisch-ökologischere Landwirtschaft ein. Auf der Demonstration unter dem Motto „Haltung zeigen! Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft weltweit“ stand daneben auch das Handelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten in der Kritik. Das Abkommen verschärfe den Preisdruck für Bäuerinnen und Bauern auf beiden Seiten des Atlantiks, argumentierte das Bündnis.

Vereinbarkeit von Umweltschutz und Einkommen

Die Landwirtinnen und Landwirte müssten von ihrer Arbeit leben können, sagte Susanne Gerstner vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Zudem müssten sie beim gleichzeitigen Schutz von Natur, Klima und Tierwohl ein „angemessenes und verlässliches Einkommen erzielen können“.

Die Agrarpolitik in Deutschland habe „weltweite Folgen, insbesondere für den Globalen Süden“, mahnte Agness Mwambazi von „Brot für die Welt“. Von manchen in Deutschland verkauften Lebensmitteln würden „die wahren Kosten der Erzeugung auf Menschen und Natur in anderen Teilen der Welt abgewälzt“.

Keine gesunde Ernährung für Bürgergeld-Empfänger

„Wir haben es satt“ habe auch etwas mit Armut zu tun, sagte die Armutsaktivistin Renate Antonie Krause. „Von 6,51€ pro Tag, dem aktuellen Bürgergeld-Satz, können wir uns nicht gesund ernähren.“ Arme Menschen stürben früher, „auch der schlechten Ernährung wegen“.

Auf Transparenten waren unter anderem die Sprüche „Bauernhöfe statt Agrarindustrie“ und „Klima, Wasser, Tiere schützen, Bauern dabei unterstützen“ zu lesen. Greenpeace präsentierte ein überdimensionales, aufblasbares Schwein mit dem Schriftzug: „Massentierhaltung braucht kein Schwein“.

Internationales Jahr der Frauen

Die diesjährige „Wir haben es satt!“-Demonstration findet im internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft statt. Bei der Kundgebung sprachen daher nur Frauen sowie Nonbinäre-, Trans- und Agender-Personen.

Bereits am Vormittag hatte ein Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Organisationen und landwirtschaftlichen Gruppen in Berlin eine Protestnote an das Landwirtschaftsministerium übergeben. Darin warnten sie vor einer Wasserausbeutung durch Agrarkonzerne. In Berlin findet derzeit die Grüne Woche statt, eine der wichtigsten Landwirtschafts- und Ernährungsmessen weltweit.