"Open Doors" prangert Gewalt gegen Christen in Nahost und Afrika an

"Open Doors" prangert Gewalt gegen Christen in Nahost und Afrika an
Das Hilfswerk "Open Doors" warnt: Der Nahe Osten verliere zunehmend seine christlichen Gemeinschaften - und in Nigeria stecke hinter Teilen der Gewalt gegen Christen eine deutlich religiös motivierte Agenda islamistischer Gruppen.
14.01.2026
epd
Von Stephan Cezanne (epd)

Kelkheim (epd). Die Lage der Christen im Nahen Osten hat sich nach Angaben der christlichen Organisation „Open Doors“ massiv verschlechtert. In Syrien etwa hätten sich seit dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 die Hoffnungen auf mehr Sicherheit nicht erfüllt, erklärte das überkonfessionelle Hilfswerk mit missionarischen Wurzeln am Mittwoch im hessischen Kelkheim (Taunus) in seinem neuen Weltverfolgungsindex. Christen berichteten von einem Ausmaß der Verfolgung, das seit der Zeit, als der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) Teile des Landes kontrollierte, nicht mehr dagewesen sei. Dies schließe eine starke Zunahme von Ermordungen und Angriffen auf Kirchen ein.

Eine ähnliche Entwicklung sei im Irak zu beobachten - „der Nahe Osten blutet durch anhaltende Christenverfolgung zunehmend aus“, hieß es weiter. Die traditionellen Kirchen im Irak - die assyrische Kirche des Ostens, die syrisch-orthodoxe Kirche, die syrisch-katholische Kirche, die chaldäisch-katholische Kirche und die armenische orthodoxe Kirche - seien stark von Gewalt, Intoleranz und Diskriminierung betroffen. Diese gingen besonders von islamisch-extremistischen Bewegungen und nicht christlichen religiösen Leitern aus.

Verletzte Religionsfreiheit

Im Iran seien christliche Konvertiten, die den Islam verlassen haben, am stärksten von Verletzungen der Religionsfreiheit betroffen. Begangen würden diese vor allem durch die Regierung und in einem geringeren Maße durch die Gesellschaft und die Familien der Konvertiten, so „Open Doors“. Die Regierung sehe in christlichen Konvertiten einen Versuch westlicher Länder, den Islam und die islamische Regierung des Iran zu untergraben. Der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung beträgt groben Schätzungen zufolge in Syrien rund 1,4 Prozent, im Iran rund ein Prozent und im Irak ein bis zu zwei Prozent.

Ein besonders dramatischer Schwerpunkt der Christenverfolgung liege in Subsahara-Afrika, hieß es weiter. So warnte der Leiter von „Open Doors Deutschland“, Markus Rode, das Leid der Christen in Nigeria zu ignorieren. International müsse wahrgenommen werden, dass in dem Land „Christen niedergemetzelt und vernichtet werden“, sagte Rode dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es sei vor allem ein religiös motivierter Konflikt, in dem zwar auch Streit um Land, die Folgen von Umweltveränderungen sowie Fragen von Macht eine Rolle spielten, diese Faktoren seien aber nachgeordnet, so Rode. Hinter den Angriffen stecke eine „klare islamistische Agenda“. „3.490 der 4.849 weltweit dokumentierten Opfer christenfeindlicher Gewalt kamen in Nigeria ums Leben“, erklärte „Open Doors“.

„Neuer Höchststand“

Seit rund 30 Jahren veröffentlicht das christliche Hilfswerk „Open Doors“ seinen Weltverfolgungsindex. Die Negativ-Rangliste von 50 Ländern soll auf Christen aufmerksam machen, die Verfolgung und Diskriminierung wegen ihres Glaubens ausgesetzt sind. Die schlimmste Verfolgung von Christen herrscht laut Jahres-Index weiter in Nordkorea. Auf den Plätzen zwei bis zehn folgten Somalia, Jemen, Sudan, Eritrea, Syrien, Nigeria, Pakistan, Libyen und der Iran. Insgesamt seien rund 388 Millionen Christen einem hohen bis extremen Maß an Verfolgung ausgesetzt, laut „Open Doors“ ein „neuer Höchststand“.

Die Daten liefern laut Hilfswerk kirchliche Netzwerke, regionale Menschenrechtsanwälte, Analysten sowie Experten von „Open Doors International“. Die Einhaltung der Methodik wird durch das evangelikal geprägte Internationale Institut für Religionsfreiheit geprüft und zertifiziert.