Unterkünfte für Obdachlose rund um die Uhr öffnen

Mann schläft auf einem Feldbett vor dem Altar.
epd-bild/Peter Juelich
Angesichts von sehr niedrigen Temperaturen warnen Sozialverbände vor dem Kältetod obdachloser Menschen, daher sollten Unterkünfte 24/7 geöffnet sein. (Hier im Foto schläft ein Mann auf einem Feldbett vor dem Altar in der Winternotübernachtung der Weissfrauen Diakoniekirche in Frankfurt am Main).
Eisige Kälte in Deutschland
Unterkünfte für Obdachlose rund um die Uhr öffnen
Bitterkalte Temperaturen herrschen zurzeit in Deutschland. Die Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie RWL fordert, angesichts des Wintereinbruchs Unterkünfte für Obdachlose rund um die Uhr offenzuhalten. "Jede Abweisung kann eine Person in akute Lebensgefahr bringen", warnt Referentin Katrin Müller.

Mit dem Winterorkan Elli drohen auch in Nordrhein-Westfalen viel Schnee und Frost bei Minustemperaturen weiter unter null Grad. Für Menschen, die auf der Straße leben, kann das bedrohlich sein. Der evangelische Fachverband Wohnungslosenhilfe in NRW ruft Kommunen dazu auf, die Nothilfe auszubauen.

Bürgerinnen und Bürger könnten mit Geld- oder Sachspenden gut etablierte Hilfssysteme in der Krisenlage stärken, sagt die Geschäftsführerin des Verbandes, Katrin Müller, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

epd: Frau Müller, der evangelische Fachverband Wohnungslosenhilfe in Rheinland-Westfalen-Lippe kümmert sich unter anderem um die Versorgung von obdachlosen Menschen. Die anstehende Winterfront stellt für Frauen und Männer, die auf der Straße leben, eine lebensbedrohliche Gefahr dar. Auf welche Hilfsangebote können die Betroffenen nun zählen?

Katrin Müller: Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist unser Hilfesystem in NRW sehr gut ausgebaut. In den meisten Kommunen gibt es Anlaufstellen wie Notunterkünfte, besondere Übernachtungsangebote und Tagesaufenthalte, zusätzlich unterstützen aufsuchende Angebote wie Kältebusse oder die Kältegänge in Köln die Menschen direkt auf der Straße.

Haupt- und ehrenamtliche Initiativen konnten auch in diesem Jahr Fördermittel der Landesregierung abrufen, um dringend notwendige Ausstattung wie Schlafsäcke, Winterkleidung oder Hygieneartikel anzuschaffen, die dann an Menschen, die auf der Straße leben, verteilt werden.

Dennoch sind die Kommunen gerade jetzt gefordert, die Maßnahmen sofort auszubauen: Notunterkünfte sowie Tagesaufenthalte müssen 24 Stunden am Tag geöffnet sein und Plätze für jeden und jede, die Hilfe sucht, vorhalten. Jede Abweisung kann eine Person in akute Lebensgefahr bringen.

Wie können Bürgerinnen und Bürger zur Wärmehilfe für Wohnungslose beitragen?

Müller: Am besten gelingt die Kältehilfe, wenn die bereits gut etablierten Hilfsangebote gestärkt werden. Bürgerinnen und Bürger können sich gezielt an die bestehenden Angebote vor Ort wenden, etwa an die lokale Diakonie, Caritas oder den Paritätischen Wohlfahrtsverband. Dort können sie Geld spenden, erfahren, welche Sachspenden aktuell benötigt werden, und sich darüber informieren, wo und wie sie sich selbst engagieren können.

Wie soll sich jemand verhalten, der bei extremen Minustemperaturen einen scheinbar hilflosen obdachlosen Menschen antrifft?

Müller: Zunächst sollte man versuchen, mit dem Menschen zu sprechen. Ist er oder sie bereit, Hilfe anzunehmen, können in einigen Kommunen die Kältehotlines angerufen werden. Andernfalls kann man auch Kontakt zur örtlichen Wohnungslosenhilfe suchen. Liegt allerdings ein Notfall vor, sollte der Rettungsdienst oder die Polizei gerufen werden, um so im Zweifelsfall ein Leben zu retten.