Berlin (epd). Nach dem großflächigen Stromausfall im südwestlichen Stadtgebiet hat der Berliner Senat eine erste positive Bilanz der Notfallmaßnahmen in Krankenhäusern und Pflege gezogen. 64 von 74 Pflegeheimen im betroffenen Gebiet seien wieder mit Strom versorgt, die restlichen zehn sollten noch im Laufe des Tages folgen, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Montag in der Hauptstadt. Für die fünf Krankenhäuser mit ihren mehreren hundert Patienten und drei Rettungsstellen hätten schnell Strombrücken geschaffen werden können.
Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) sagte, die Notstromgeräte in den Krankenhäusern hätten funktioniert. Diesel sei für mehrere Tage vorhanden gewesen. Für den Fall von Evakuierungen hatte die Charité angeboten, die Koordination zu übernehmen.
Häuslich beatmete Patienten identifiziert
Als Ersatz für die betroffenen Pflegeheime seien berlinweit schnell 370 freie Plätze ausgemacht worden, sagte Czyborra. Die Listen hätten der Feuerwehr zur Verfügung gestanden. Durch das schnelle Anschließen der Pflegeheime an das Stromnetz mussten jedoch nur 40 Plätze in Anspruch genommen werden.
Besonders gefährdet seien häuslich beatmete Patientinnen und Patienten gewesen, sagte Czyborra. Über die Pflegedienste seien diese schnell identifiziert und durch die Feuerwehr versorgt worden. Czyborra erklärte, im Nachgang der Krise solle die Datenlage nochmals verbessert werden. „Wir wünschen uns ein Notfallregister“, sagte die Gesundheitssenatorin. Dort sollten insbesondere die Personen mit Unterstützungsbedarf in der Beatmungspflege vermerkt sein.
„Menschenverachtender Anschlag“
Aufgrund der vielen Menschen höheren Alters in den betroffenen Stadtteilen sprach Innensenatorin Iris Spranger (SPD) von einem „menschenverachtenden Anschlag“. Es könne nicht „lediglich von Linksextremismus“ gesprochen werden, es stehe ihr zufolge „Linksterrorismus im Raum“. Spranger sagte, es sei wichtig, dass der Generalbundesanwalt die Übernahme des Verfahrens prüfe. Sie werde darüber mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) beraten.
Regierungschef Wegner bedankte sich „vor allem bei den Hilfsorganisationen“. Ehrenamtliche müssten über mehrere Tage hinweg mit der Notlage umgehen. Aus der Zivilgesellschaft komme eine „unglaubliche Hilfsbereitschaft“.
Kirchenkreise bieten Räume an
So bieten etwa die betroffenen Kirchenkreise Steglitz und Teltow-Zehlendorf Räume zum Aufwärmen, heiße Getränke und Lademöglichkeiten für Handys an. Nach Angaben der beiden Kirchenkreise vom Montag stehen acht kirchliche Einrichtungen offen. Duschmöglichkeiten seien in der Paulus-Kirchengemeinde in Zehlendorf-Mitte und der Markus-Kirchengemeinde in Steglitz sowie in der Johann-Sebastian-Bach-Kirchengemeinde in Lichterfelde-Süd vorhanden.
Im Berliner Südwesten gibt es seit Samstagmorgen einen großflächigen Stromausfall, ausgelöst durch einen Brandanschlag. Dazu haben sich die linksextremen „Vulkangruppen“ bekannt. Die Sicherheitsbehörden stufen das Bekennerschreiben als authentisch ein. Rund 14.000 Haushalte wurden mittlerweile wieder an das Netz angeschlossen, 30.000 Haushalte in weiten Teilen von Nikolassee, Wannsee, Zehlendorf und Lichterfelde bleiben voraussichtlich noch bis Donnerstag ohne Strom.


