Berlin, Caracas (epd). Die USA haben Venezuela angegriffen und den Präsidenten Nicolás Maduro zusammen mit dessen Ehefrau Cilia Flores festgenommen. Maduro wurde nach dem Angriff in der Nacht zum Samstag außer Landes gebracht, wohin blieb zunächst unklar. In sozialen Netzwerken berichteten Nutzer von Kampfflugzeugen über der Hauptstadt Caracas, Explosionen und Stromausfall in verschiedenen Landesteilen.
Der Angriff und die Festnahme Maduros wurden sowohl vom US-Präsidenten Donald Trump als auch von der venezolanischen Vizepräsidentin Delcy Rodriguez bestätigt. Lateinamerikanische Regierungen reagieren gemischt auf die Eskalation des lange schwelenden Konflikts.
Auf seiner Plattform Truth Social sprach Trump von einem „erfolgreich ausgeführten und großangelegten Angriff gegen Venezuela“. Rodríguez forderte die USA im staatlichen Fernsehsender VTV auf zu beweisen, dass Maduro und seine Frau noch am Leben sind. Sie sagte zudem, dass bei dem Angriff eine bislang unbekannte Zahl von Soldaten und Zivilisten getötet worden seien.
Ausnahmezustand ausgerufen
Die venezolanische Regierung erklärte den Ausnahmezustand innerhalb des Landes. Verteidigungsminister Vladimir Padrino López sagte laut der staatlichen Nachrichtenagentur AVN, die Streitkräfte des Landes seien bereit zu agieren und würden fest hinter den Entscheidungen der Regierung stehen.
Der Präsident des Nachbarlandes Kolumbien, Gustavo Petro, forderte die Einberufung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, dem Kolumbien als nichtständiges Mitglied seit Anfang Jahr angehört. Auf der Plattform X erklärte Petro, die kolumbianische Regierung lehne jede einseitige militärische Aktion ab, die die Lage verschärfen oder die Zivilbevölkerung gefährden könne. Der argentinische Präsident Javier Milei begrüßte derweil sowohl den Angriff als auch die Festnahme Maduros. Er schrieb auf X: „Die Freiheit schreitet voran.“
Angriff angedroht
Seit längerem hatte die US-amerikanische Regierung mit einem Angriff auf venezolanisches Staatsgebiet gedroht und das damit begründet, gegen Drogenproduktion und -handel vorgehen zu wollen. Die US-Marine hatte in der jüngsten Vergangenheit bereits mehrere Fischerboote aus Venezuela und Kolumbien versenkt, die Drogen transportiert haben sollen. US-Präsident Trump sagte mehrmals, einen Regimewechsel in Venezuela herbeiführen zu wollen, zur Not auch militärisch.
Maduro hatte seit 2013 in Venezuela zunehmend autoritär regiert. Die USA haben das südamerikanische Land mit Sanktionen belegt.
CDU-Politiker reagieren unterschiedlich
Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter kritisierte den US-Angriff scharf: „Die USA verlassen mit Präsident Trump endgültig die regelbasierte Ordnung, die uns seit 1945 geprägt hat. Venezuela ist zwar ein Unrechtsstaat, aber kein Iran, der Nachbarländer wie Israel in der Existenz bedroht“, sagte Kiesewetter am Samstag der „Bild“-Zeitung. Der Außenexperte der Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt (CDU), sagte der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“, das Regime von Maduro sei am Ende. Das sei für die Menschenrechte in Venezuela ein Hoffnungsschimmer.
Aus Sicht der Lateinamerika-Expertin Sabine Kurtenbach zeigt der Konflikt, dass Multilateralismus und internationale Beziehungen den reinen Machtverhältnissen geopfert würden. Übergeordnete Werte würden immer nur dann hochgehalten, wenn sie ins eigene Kalkül passen, sagte die Wissenschaftlerin am Samstag im Deutschlandfunk. Kurtenbach, die als Interimspräsidentin das Hamburger Forschungsinstitut GIGA leitet, stellte heraus, dass Maduro für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sei und das Ergebnis einer Wahl ignoriert habe. Das Vorgehen der USA wiederum sei nicht gedeckt vom Völkerrecht.

