Gute Nachricht aus der Kirche: Wir sind 70 Prozent!

epd-bild/Jens Schulze

Tauffest im evangelischen Kloster in Barsinghausen in Niedersachsen.

Gute Nachricht aus der Kirche: Wir sind 70 Prozent!
Eine Gruppe von getauften Internet-Aktiven will "ein Lächeln auf der Timeline sein"
In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind rund 70 Prozent der Menschen christlich getauft. Teilnehmer des Relicamp 2012 haben beschlossen, aus dieser Zahl eine Botschaft zu machen und sie zu verbreiten.
16.05.2012
Lilith Becker
evangelisch.de

Sind Sie auch als Kind "hineingefallen"? Der Gallier Obelix ist nicht freiwillig im Zaubertrank gelandet. Genauso wie die Mehrzahl der Christen im deutschsprachigen Raum sich nicht bewusst für die Taufe entschieden hat. Aber kann uns das genauso wie Obelix nicht auch irgendwie freuen? Wir gehören dazu. Wir sind 70 Prozent und nicht "ein kleines gallisches Dorf", wie Pfarrer Heiko Kuschel aus Schweinfurt sagt.

Fast 70 Prozent der Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind getauft und gehören einer christlichen Kirche an: "Wir sind wer." Diese Botschaft wollen Heiko Kuschel und ein paar Mitbegeisterte nun verbreiten. Auf dem Relicamp 2012 von evangelisch.de und rpi virtuell haben sie beschlossen: Die Kirche braucht gute Nachrichten.

Innerhalb von wenigen Minuten ging die Internetseite 70Prozent.org online. Dort laufen nun die guten Nachrichten über Twitter ein. "Ich bin gerne in der Kirche. Das gibt Trost und Kraft", schreibt jemand, ein anderer: "Christentum ist bunt und vielfältig. Weltweit. Deswegen gehöre ich gerne zu den 70 Prozent."

Eine gute Marketing-Strategie

"Wir haben anscheinend einen Nerv getroffen", sagt Maria Herrmann. Sie ist katholische Theologin und Webdesignerin und hat die Seite gebaut. Innerhalb von drei Tagen liefen zahlreiche Tweets auf der Seite ein. Die Kommentare sind überkonfessionell und positiv, auf Facebook hat sich zudem gleich eine 70Prozent-Gruppe gebildet. Bisher ist sie allerdings noch nicht frei zugänglich.

"Wir wollen ein Lächeln auf der Timeline sein", sagt Maria Herrmann. Sie hofft, dass der Hashtag #70Prozent bald eine bekannte Marke, ein bekanntes Mem, wie es bei Twitter heißt, wird. Und dieses Mem soll für das gute am Glauben stehen.

Britische Marketing-Forscher haben Heiko Kuschel und seine Mitbegeisterten inspiriert. Laut der Forscher können fünf Prozent einer Menschenmenge die übrigen 95 Prozent in jede Richtung lenken. Die fünf Prozent brauchen nur eine gute Marketing-Strategie.

"Wir sind nicht alleine auf dem Weg"

Das heißt allerdings nicht, dass er mit perfiden psychologischen Tricks Mission betreiben will, sagt Heiko Kuschel. Stattdessen hofft er, dass die Onliner irgendwie die fünf Prozent sein könnten, die der Kirche helfen kann, sich besser darzustellen, die dem christlichen Glauben in der Gesellschaft  eine positive und attraktive Ausstrahlung geben kann.

Die Strategie von 70Prozent.org heißt deshalb zuallererst: Sich und allen, die viel in der Kirche machen, den Rücken stärken. "Damit wir merken, wir sind nicht alleine auf dem Weg", sagt Heiko Kuschel.

"Wir wollen auch mal positive Dinge über Glaube und Religion lesen und verkünden. Und wir freuen uns über jeden, der mitmacht", sagt Maria Herrmann.

Nachtrag der Redaktion: Nach den aktuellsten Zahlen hat Österreich 8,2 Millionen Einwohner, davon 5,3 Millionen Katholiken und 320.000 Protestanten = 68 Prozent; die Schweiz hat 7,6 Millionen Einwohner, davon 2,4 Millionen Protestanten und 3,1 Millionen Katholiken = 72 Prozent; und Deutschland hat 82 Millionen Einwohner, davon 50,7 Millionen Christen = 62 Prozent. Das macht zusammen 97,8 Millionen Einwohner, davon 61,8 Millionen Christen = 63 %. Immer noch eine klare Mehrheit - und #70prozent können es ja wieder werden.