Knochenmarkspende: Mit 40 Euro Leben retten

Gerd Holzhauer
Ulf Buschmann
Seit fast 30 Jahren organisiert Gerd Holzhauer große Veranstaltungen zugunsten der DKMS, deren Ziel es ist Blutkrebspatientinnen und -patienten mit einer Stammzelltransplantation eine Heilung zu ermöglichen. Er möchte dazu motivieren, an Weihnachten etwas Gutes für Menschen zu tun, denen es nicht gut geht.
Soziale Spendenaktion
Knochenmarkspende: Mit 40 Euro Leben retten
Zu Weihnachten mit wenig Aufwand Gutes tun – möglich ist dies auf vielerlei Art. Hierzu gehört die Registrierung als mögliche:r Stammzellspender:in bei der DKMS. Damit können an Leukämie erkrankte Menschen weltweit gerettet werden. Wer sich nicht registrieren lassen möchte, kann durch eine 40-Euro-Spende helfen. Es ist der Preis für die notwendigen Untersuchungen der potentiellen Spender:innen.

Die kleine Leonie hat jetzt einen Hund. Dass ihr größter Traum einmal in Erfüllung gehen würde, hätten weder sie noch ihre Eltern gedacht: Leonie war an Leukämie, also Blutkrebs, erkrankt. Dank einer Stammzellspenderin, die in der weltweiten Datenbank der DKMS registriert ist. DKMS stand bei der Gründung 1991 für Deutsche Knochenmarkspender-Datei, heute ist es eine gemeinnützige GmbH. Der Zweck ist jedoch derselbe. Dabei setzt die DKMS seit vielen Jahren auf ehrenamtliche Helfer vor Ort wie Gerd Holzhauer.

Seit fast 30 Jahren organisiert er von seinem Wohnort Ritterhude im Landkreis Osterholz, direkt an der Stadtgrenze zu Bremen, große Veranstaltungen zugunsten der DKMS. Gerd Holzhauer und seine Mitstreiter:innen sammeln einerseits Spenden ein, andererseits organisiert er Typisierungen im großen Stil. Seine Bilanz kann sich sehen lassen. Allein im Jahr 2023 seien 18.570 Euro zusammengekommen. 176 Menschen wurden bei 18 Aktionen typisiert. Seit Beginn seiner Aktivitäten für die DKMS im Jahr 1994 beziffert der Ritterhuder das Spendenaufkommen auf 315.982 Euro. Durch 14.486 Typisierungen konnten 102 Leben durch Stammzellspenden gerettet werden.

Doch auch wenn Holzhauer gerade keine große Aktion organisiert, wird er nicht müde, für die DKMS und ihre Sache zu werben. Um zu Weihnachten etwas Gutes für Menschen zu tun, denen es gerade oder später nicht so gut geht, sei eine Typisierung ideal. "Das ist in wenigen Minuten erledigt", sagt Holzhauer, "das kann man alles online machen."

Alles geht online

Schritt eins: Wer sich registrieren lassen möchte, muss sich unter www.dkms.de anmelden. Die DKMS schickt dann ein Typisierungsset zu. Darin befindet sich ein Blatt mit einem aufgedruckten QR-Code. Diesen gilt es nun mit dem Smartphone oder Tablet einzuscannen - jede:r Teilnehmer:in wird durch das Menü geführt.

Schritt zwei: Wer mitmacht, muss nun mit jedem der drei ebenfalls im Set enthaltenen Wattestäbchen einen Abstrich machen. Das dauert jeweils eine Minute. Anschließend werden die Wattestäbchen verpackt und an die DKMS zurückgeschickt. "Der beiliegende Umschlag ist vorfrankiert und mit der richtigen Adresse versehen", sagt Pressesprecherin Julia Ducardus. Das heißt: Wer sich typisieren lässt, muss kein Geld ausgeben.

Wer helfen möchte, ohne sich in die Datenbank aufnehmen zu lassen, kann auch spenden. Über eine Spende von 40 Euro freut sich die DKMS. So viel kostet die Auswertung der Typisierungen. Denn zum Schutz der Erkrankten und der Spender werden die Proben genau untersucht. Die Krankenkassen übernehmen allerdings nur die Behandlungskosten. Das bedeutet auf der anderen Seite, dass die DKMS die Typisierungskosten selbst tragen muss.

Hier kommen Menschen wie Holzhauer ins Spiel: Bei seinen organisierten Großveranstaltungen im Landkreis Osterholz sammelt er Spenden für die Menschen, die sich dort typisieren lassen. Ist eine Aktion vorbei, schickt der Ritterhuder alle Sets in die Firmenzentrale nach Tübingen. Mit den gesammelten Spenden werden die Untersuchungskosten bezahlt.

Aufnahme in die Datenbank

Sind alle Untersuchungen abgeschlossen, werden die Typisierten in die weltweite Datenbank der DKMS aufgenommen. Sollte sich herausstellen, dass ein an Leukämie erkrankter Mensch Hilfe benötigt, setzt sich die DKMS mit dem potenziellen Spender in Verbindung. Es folgen die Bestätigungstypisierung und die Spende. Diese erfolgt in 90 Prozent der Fälle über die sogenannte periphere Stammzellentnahme, die Apherese. "Das ist wie eine verlängerte Blutspende", erklärt Holzhauer das Verfahren. Die klassische Stammzellentnahme aus dem Knochenmark kommt laut DKMS nur noch in zehn Prozent der Fälle vor.
Ist die Spende erfolgt, wird sie zum Erkrankten gebracht. Das muss nicht in Deutschland sein, im Gegenteil: Die DKMS ist weltweit aktiv. Die Stammzelltransplantation selbst ähnelt einer Bluttransfusion.

Allerdings gibt es Einschränkungen. Ausgeschlossen sind laut DKMS-Sprecherin Ducardus Menschen mit "Erkrankungen des blutbildenden oder lymphatischen Systems". Wer also zum Beispiel Lymphdrüsenkrebs überstanden hat, darf keine Stammzellen spenden. Dies dient nicht nur dem Schutz der Leukämiepatient:innen, sondern auch der Spender:innen. Auch Menschen über 55 Jahre sowie Menschen mit Übergewicht, Bluthochdruck oder Diabetes werden nicht in die Spenderdatei aufgenommen.

Und noch ein Problem hat die DKMS laut Ducardus: Wer 61 Jahre alt wird, muss aus Altersgründen aus der Datei gestrichen werden; das sind 125.000 Menschen pro Jahr. Deshalb ruft die DKMS gerade junge Menschen dazu auf, sich als Spender:in registrieren zu lassen. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit. "Deshalb ist die Arbeit von Herrn Holzhauer so wichtig", sagt Ducardus, "er geht ja auch in die Schulen