Bamberger Erzbischof kritisiert bayerische Flüchtlingspolitik

Bamberger Erzbischof kritisiert bayerische Flüchtlingspolitik
Die bayrische Regierung sei angesichts der überfüllten Flüchtlingslager überfordert, "nicht zuletzt aus eigener Schuld", sagte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd).
18.10.2012
epd
Daniel Staffen-Quandt

Erzbischof Schick forderte eine schnelle Verbesserung der psychologischen und juristischen Betreuung der Asylbewerber: "Sprachkurse müssen sofort ermöglicht werden, Arbeitsfähige sollen arbeiten dürfen." Die in Bayern übliche Praxis der Sachleistungen kritisierte der Erzbischof ebenfalls.

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Die Politik habe es zudem versäumt, ein "vorausschauendes Programm" für plötzliche Flüchtlingsströme zu entwickeln. Im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte habe es auch immer wieder schnelle Anstiege der Flüchtlingszahlen gegeben. "Es ist unverständlich, dass der Staat hier nicht ein Programm in der Schublade parat hat, das jederzeit durchgeführt werden kann", sagte der Erzbischof. Notsituation wie derzeit habe es schließlich schon öfter gegeben.

Schick kritisierte zudem die aggressive Wortwahl der vergangenen Wochen in der Flüchtlingspolitik. Allzuschnell würde durch Schlagworte wie "Asylmissbrauch" Fremdenfeindlichkeit geschürt. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte vor wenigen Tagen im Zusammenhang mit der Zunahme von Flüchtlingen aus Serbien und Mazedonien von "tausendfachem Asylmissbauch" gesprochen. Eine derartige Wortwahl sei "unserer freiheitlich-demokratischen, christlich geprägten Gesellschaft unwürdig", sagte der Erzbischof.