Konfi-Unterricht - alles andere als verstaubt

Konfirmandenunterricht in der evangelischen Kirchengemeinde Schloß Ricklingen
© epd-bild/Jens Schulze
Konfirmandenunterricht in der evangelischen Kirchengemeinde Schloß Ricklingen bei Hannover (Archivbild). Der gemeinsame Unterricht kann jungen Menschen bei der Identitätssuche helfen, sagt der Theologe Sönke von Stemm.
Wichtig zur Orientierung
Konfi-Unterricht - alles andere als verstaubt
Die Konfirmation und insbesondere der Konfirmationsunterricht hat aus Sicht Theologen Sönke von Stemm mit einem Image-Problem zu kämpfen. Dabei sei die gemeinsame Zeit heute ein wichtiger Beitrag zur Selbstfindung der jungen Menschen.

"Von außen betrachtet denken viele dabei zunächst an angestaubten Religionsunterricht - dabei ist das komplett falsch", sagte Sönke von Stemm dem Evangelischen Pressedienst. Der Pastor war Dozent für Konfi-Arbeit am Religionspädagogischen Institut Loccum und ist aktuell einer von vielen Beratern für die Konfi-Arbeit in der hannoverschen Landeskirche. Er sieht gerade in der Gruppendynamik den Wert der Konfi-Zeit.

"Die Jugendlichen werden in die inhaltliche Planung der Konfi-Stunden einbezogen. Das ist oftmals auch für sie eine komplett neue Erfahrung, wenn sie aus der Schule gewohnt sind, Lehrplanziele quasi abzuhaken", erläuterte der Theologe. "Eine zentrale Aufgabe gerade im Alter von 13 oder 14 Jahren ist der Ablöseprozess von den Eltern und zugleich die Frage nach Freundschaften und Zugehörigkeit. Das passt gut zur religiösen Orientierung und schließlich eigenverantwortlichen Entscheidung: Ich will zur Gemeinde dazu gehören."

Ein schönes Symbol dafür seien beispielsweise Türen oder Stühle und Hocker. Die Jugendlichen gestalteten diese und entdeckten zugleich, welche Wege sich ihnen öffnen, wo ihr Platz im Leben sein könnte. "'Wer bin ich eigentlich?' ist heute eine der zentralen Fragen in der Konfi-Arbeit ", betont von Stemm. "Die Identitätsbildung ist eine absolute Stärke der Konfi-Arbeit."

Außerdem wolle den Heranwachsenden niemand "die eine Wahrheit verkaufen", ergänzte der Theologe. "Sie sollen lernen, dass Kirche und Glaube eine Suchbewegung sind und dass sich niemand allein auf die Suche begeben muss." Vor diesem Hintergrund sei es auch positiv, dass nach der Konfirmation rund ein Drittel und teils sogar mehr als die Hälfte eines Jahrganges als Teamer erhalten bleibe.

Pastor Sönke von Stemm segnet zwei Konfirmandinnen.

Dieser Übergang nach der Konfirmation sei für junge Menschen unschätzbar wertvoll, betonte von Stemm. "Die Jugendlichen erfahren Wertschätzung für ihre Arbeit, denn gerade im Gespräch mit Jüngeren hat ihre Stimme oftmals deutlich mehr Gewicht, als es die Stimme von Erwachsenen je haben könnte."

Immer öfter sei leider zu beobachten, dass Kinder zwar getauft, später aber nicht mehr zur Konfirmation angemeldet würden, bedauerte von Stemm. Diese früher oftmals automatische Verbindung sei verloren gegangen. Teils habe für Familien auch die Aussicht auf ein teures Fest eine abschreckende Wirkung.

"Wer sozial schwach ist, überlegt sich, ob er sich eine Konfirmation leisten kann." Dieser Befürchtung begegneten Gemeinden teils mit gemeinsam ausgerichteten Feste. "Es muss ihnen nur gelingen, das positive und niedrigschwellige der Konfirmation besser zu bewerben."

Mehr zu Konfirmationsunterricht
<div class="field-zusatzinfo field-info-zusatzinfo-verwendung-1"><p><strong>Konfirmation</strong><br />
Die evangelische Konfirmation ist seit dem 19. Jahrhundert in ganz Deutschland üblich. Jugendliche nehmen in der Regel im 7. oder 8. Schuljahr daran teil, also im Alter von 13 bis 15 Jahren. Bei der Konfirmation bekräftigen sie, was ihre Eltern und Paten stellvertretend für sie bei ihrer Taufe versprochen haben: ein Leben im christlichen Glauben zu führen. Der lateinische Begriff Konfirmation bedeutet "Befestigung" oder "Stärkung". Nach wie vor lassen sich die meisten getauften evangelischen Jugendlichen konfirmieren.</p>

<p>Der Konfirmation geht eine Zeit der Vorbereitung voraus. Die evangelische Kirche spricht dabei jedoch eher von Konfirmandenarbeit als von Unterricht. Nach der Konfirmation können die Jugendlichen das Patenamt übernehmen und die Gemeindeleitung wählen, den Kirchenvorstand. Das Fest der Konfirmation wird normalerweise im Frühjahr mit einem großen Gottesdienst und mit einer Familienfeier begangen. Dabei erhalten die Jugendlichen von Verwandten und Bekannten häufig viele Geschenke.</p>

<p>1539 wurde die Konfirmation zum ersten Mal in der Form gefeiert, wie sie heute bekannt ist. In der Zeit des Pietismus im 18. Jahrhundert setzte sie sich flächendeckend in den evangelischen Landeskirchen durch. In der katholischen Kirche wird die Taufe durch das Sakrament der Firmung bekräftigt. In Ostdeutschland ist die vor 150 Jahren entstandene kirchenunabhängige Jugendweihe weiterhin populär.<br />
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