Brasilien wählt neuen Präsidenten

Brasilien wählt neuen Präsidenten

In Brasilien waren die Menschen am Sonntag zur Wahl eines neuen Präsidenten aufgerufen. Mehr als 156 Millionen Wählerinnen und Wähler konnten über ein neues Staatsoberhaupt abstimmen. In Umfragen vor der Wahl lag der linksgerichtete Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva vor dem rechtsextremen Amtsinhaber Jair Bolsonaro. Allerdings ist eine Stichwahl wahrscheinlich, da vermutlich auch Lula nicht auf über 50 Prozent der Stimmen kommt.

Die Abstimmung fand unter größter politischer Anspannung statt. Bolsonaro hatte das elektronische Wahlsystem infrage gestellt und mit Behauptungen über Wahlbetrug provoziert. Belege legte er dabei nicht vor. Es gibt Befürchtungen, er könnte das Wahlergebnis nicht anerkennen und seine Anhänger zu Protesten aufrufen.

Lula da Silva genießt vor allem im armen Nordosten des Landes Unterstützung und unter den Menschen mit einem geringen und mittleren Einkommen. Er will das Sozialsystem "Bolsa Família" für arme Familien ausbauen, den Rechtsstaat stärken und verspricht höhere Steuern für Gutverdiener. Den illegalen Bergbau im Amazonas-Gebiet will der 76-Jährige ebenso entschieden bekämpfen wie die Abholzung des Regenwaldes und die Angriffe auf die Schutzgebiete der Urbevölkerung.

Der Ex-Militär Bolsonaro hatte vor vier Jahren mit der Ankündigung gewonnen, Brasilien von Korruption zu befreien, die Arbeitslosigkeit zu senken und die Wirtschaft anzukurbeln. Von seinen Versprechen ist jedoch wenig geblieben. Bolsonaro führt die Corona-Pandemie und Dürre in Brasilien als Gründe für die ökonomische Stagnation an. Brasilien war mit rund 700.000 Corona-Toten eines der Länder, das am stärksten von der Pandemie betroffen war.

Eine mögliche Stichwahl ist für den 30. Oktober vorgesehen. Am Sonntag standen außer dem Staatsoberhaupt auch Gouverneure der Bundesstaaten und die Parlamentsabgeordneten zur Wahl.