Gespräche mit russisch-orthodoxer Kirche notwendig

Portrait vom russisch-orthodoxen Patriarch Kyrill

© epd-bild/Wassili Djatschkow

Laut Ökumene-Referentin Maria Stettner gebe es auch innerhalb der russisch-orthodoxen Kirche eine Opposition gegenüber Patriarch Kyrill und seiner Unterstützung der Politik Putins.

Ökumene-Expertin über ÖRK-Gipfel
Gespräche mit russisch-orthodoxer Kirche notwendig
Die russisch-orthodoxe Kirche nicht vom Treffen des Weltkirchenrats auszuladen, war nach Ansicht der Ökumene-Referentin der bayerischen Landeskirche, Maria Stettner, richtig. Es sei wichtig, im Gespräch zu bleiben, sagte sie in einem Interview mit sonntagsblatt.de am Montag.

Die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) findet ab Mittwoch (31. August) bis 8. September in Karlsruhe statt. Auch innerhalb der russisch-orthodoxen Kirche gebe es eine Opposition gegenüber Patriarch Kyrill und seiner Unterstützung der Politik Putins, sagte Stettner. Schließe man die russisch-orthodoxe Kirche aus dem ökumenischen Gespräch aus, habe diese Opposition überhaupt keine Stimme mehr. "Zudem könnte mit der russisch-orthodoxen Kirche ein sehr großes Mitglied nicht mehr Teil des ÖRK sein", gab sie zu bedenken. Fraglich bleibe, wie gut die russisch-orthodoxe Delegation in Karlsruhe den erwartbaren Gegenwind aushalten werde.

Wie stark die Gespräche dem Frieden in der Ukraine dienen könnten, sei schwer zu prognostizieren, sagte Stettner: "Entscheidend werden vielleicht auch nicht die großen Plenumsveranstaltungen sein, sondern eher die vielen Gespräche, die in diplomatischer Weise zwischen Vertretern von Kirchen stattfinden werden".

Die Vollversammlung findet erstmals in der über 70-jährigen Geschichte in Deutschland statt. Zu dem 11. Treffen des Gremiums werden rund 4.500 Gäste aus 120 Ländern in Karlsruhe erwartet. Zur 13-köpfigen Delegation der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zählt auch der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Neun Tage lang werden bei dem Treffen neben kirchlichen Themen aktuelle Zeitfragen wie die Folgen des Ukraine-Kriegs, der Corona-Pandemie und des Klimawandels besprochen.

Dem Weltkirchenrat gehören 352 protestantische, anglikanische, orthodoxe und altkatholische Kirchen sowie Freikirchen an, die nach eigenen Angaben weltweit über 580 Millionen Christinnen und Christen vertreten. Die römisch-katholische Kirche ist nicht Mitglied, arbeitet jedoch seit Ende der 1960er Jahre mit dem ÖRK zusammen.

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