Caritasdirektorin: Inflationszuschlag für Sozialeinrichtungen

Caritasdirektorin: Inflationszuschlag für Sozialeinrichtungen

Von der geplanten Gas-Umlage werden nach Einschätzung der Caritasdirektorin der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Annette Holuscha-Uhlenbrock, auch Sozialeinrichtungen wie etwa Pflegeheime betroffen sein. Es sei aber "zwingend zu vermeiden", diese Kosten an Bewohnerinnen und Bewohner weiterzugeben, sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Da die Kosten dann allerdings an den Trägern der Einrichtungen hängenblieben, brauche es Rettungsschirme, oder die Kranken- und Pflegekassen müssten den Mehraufwand übernehmen, sagte Holuscha-Uhlenbrock. "Angesichts der ohnehin angespannten Lage der Einrichtungen durch Fachkräftemangel und jetzt noch durch die steigenden Energiekosten sehen wir große Gefahren für die Aufrechterhaltung der Daseinsfürsorge im Land", warnte sie.

Kurzfristig mögliche Energiesparmaßnahmen - etwa weniger Heizen oder energiesparende Beleuchtung - reichen nach Holuscha-Uhlenbrocks Worten nicht aus. Ein Gaspreisdeckel wäre einer von mehreren, parallel zu verfolgenden Lösungsansätzen. Die Caritasdirektorin schlug einen Inflations- und Energiekostenzuschlag für die Einrichtungen und Dienste im sozialen Sektor durch den Bund oder die Länder vor.

Mittel- und langfristig gebe es hingegen großes Potenzial, sagte Holuscha-Uhlenbrock und nannte als Beispiele Wärmedämmung, Solartechnik oder moderne Heizsysteme. Dafür müssten allerdings die Kosten für nachhaltiges Bauen in die Regelfinanzierung integriert werden. "Bis jetzt sind wir aber bei diesem Thema leider weder beim Land noch bei den Kostenträgern weiter gekommen", sagte sie.

Auch in anderen Bereichen beobachtet die Caritas nach Holuscha-Uhlenbrocks Angaben eine zunehmend verschärfte Situation, und zwar nicht nur in unteren, sondern immer mehr auch in mittleren Einkommensbereichen. Seit Beginn des Ukrainekriegs registrierten die Beratungsstellen der katholischen Hilfsorganisation deutlich mehr Termine in der Schulden- und der Allgemeinen Sozialberatung. "Die Ursache dafür liegt nicht alleine im Energiesektor, sondern in den durch die Inflation insgesamt gestiegenen Lebenshaltungskosten", sagte Holuscha-Uhlenbrock.

Besonders sichtbar werde dies bei den Tafeln. Eine aktuelle Befragung der Tafeln in Baden-Württemberg unter ihren Mitgliedern habe gezeigt, dass die Zahl der Kundinnen und Kunden seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs um rund 50 Prozent angestiegen sei. Längst könnten nicht mehr alle Menschen mit Berechtigungsschein in den Tafelläden bedient werden, daher sei die tatsächliche Zahl der Bedürftigen noch höher.

Es brauche präventives Denken und Handeln, um Menschen in prekären Lagen schnell konkret zu helfen, forderte Holusche-Uhlenbrock. Die Regelsätze seien kurzfristig an die gestiegenen Lebenshaltungskosten anzupassen, die geplante Fortschreibung zum 1. Januar 2023 komme zu spät.