Franz Alt: Wir haben nicht enkeltauglich gelebt

SUV Autos auf der Straße

© Sina Schuldt/dpa

Immer größer, immer schwerer, immer höherer Spritverbrauch. SUV Autos verkaufen sich trotz Klimawandels prächtig.

Verfehlte Klimapolitik
Franz Alt: Wir haben nicht enkeltauglich gelebt
Vor 50 Jahren schockierte der Bestseller "Die Grenzen des Wachstums" des Club of Rome. Was heute zu tun wäre, um den Planeten zu retten, beschreiben Franz Alt und Ernst Ulrich von Weizsäcker in einem neuen Buch.

Die internationale Umweltbewegung hat nach Auffassung des Bestsellerautors Frank Alt bereits vor 50 Jahren begonnen. Ihr Gründungsdokument sei die 1972 veröffentlichte Studie "Die Grenzen des Wachstums" des Club of Rome gewesen, schreibt der Umweltjournalist in dem Buch "Der Planet ist geplündert", das er gemeinsam mit dem Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker veröffentlicht hat. Das Buch im Hirzel-Verlag (Stuttgart) erschienen.
Als die Studie damals erschienen sei, habe das Wort "Öko" eher als ein Schimpfwort als ein Trend gegolten, so Alt. Doch das störte die beiden Umweltexperten nicht. Sie kämpfen seit Jahrzehnten für eine Wende in der Umweltpolitik und ziehen in ihrem Buch ein wenig überraschendes Fazit: "Die heutigen Generationen haben nicht enkeltauglich gelebt, gearbeitet und gewirtschaftet".

Sie beschreiben darin schonungslos den Zustand von Mensch und Erde: "Wir führen einen Weltkrieg gegen die Natur und damit gegen uns selbst." Auch wenn der Klimawandel für viele Menschen noch theoretisch klinge, sei er jedoch eine Gesundheitsfrage und damit auch eine Überlebensfrage.

Die Experten suchen anhand verschiedener Fragestellungen nach einem Weg aus der globalen Krise. Das Motto für eine bessere Zukunft könne nicht länger lauten "Der Mensch im Mittelpunkt", sondern "Das Leben im Mittelpunkt". Und das bedeutet für die Autoren eine neue Interdependenz zwischen Mensch und Natur sowie mehr Entwicklung statt Wachstum.

Es gehe nicht mehr nur um Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, sondern auch um "Ethik und um die Lebensrechte zukünftiger Generationen, um die Zukunft und die Freiheit der heute noch gar nicht Geborenen", so die Umweltexperten.
Wichtig sei die Überwindung der Fossilenergiephase, schreibt Von Weizsäcker, der von 2012 bis 2018 Co-Präsident des Club of Rome war. Fossile Brennstoffe müssten durch Solar- und Windenergie ersetzt werden. Auch die Energieeffizienz müsse gesteigert werden. Die Experten fordern auch ein Umdenken in der Finanzpolitik. So sollten Klima- und biodiversitätsfreundliche Technologien steuerlich entlastet werden, schädliche dagegen stärker besteuert werden.

Als eine der größten Lernaufgaben im 21. Jahrhundert sehen sie dabei eine "Weltbürgeridentität", neben lokalen, regionalen und nationalen Identitäten. "Wir sind alle Schwestern und Brüder, eine Weltfamilie", heißt es. So spreche auch die Gründungserklärung der Vereinten Nationen nicht von Staaten, sondern von Menschen. Dort heiße es: "We the people - Wir, die Menschen". Schon Platon habe sich mit den Worten "Die ganze Welt ist meine Familie" als solch ein Weltbürger verstanden.

Mehr zu Klimawandel
Mit Baggern arbeiten Baufirmen an der zerstörten Ahrbrücke in Altenahr.
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat dazu aufgerufen, das vor einem Jahr zerstörte Ahrtal wieder zu besuchen. Das schrittweise Anlaufen des Tourismus in der Region sei wichtig für den Wiederaufbau.
Trockene, kahle Bäume in einem Wald
Seit Jahren ist es in Deutschland zu trocken, trotzdem sollte man nicht das ganze Jahr über Wasser sparen, sagt Andreas Marx vom Deutschen Dürremonitor.