Pastor Stephan Lackner über Tauffeste im Freien

Taufe im Strandbad Hemmingen bei Hannover

© epd-bild/Jens Schulze

Viele Familien feierten am 08.05.2022 im Strandbad Hemmingen bei Hannover ein Tauffest unter freiem Himmel. Im Sommer sind in Niedersachsen und Bremen wieder rund 50 solcher Feste geplant.

Drei Fragen an...
Pastor Stephan Lackner über Tauffeste im Freien
Ob am See oder am Fluss, am Meer oder im Schwimmbad: Mit Tauffesten unter freiem Himmel wollen evangelische Gemeinden aus Niedersachsen und Bremen in diesem Sommer ausgebliebene Taufen aus der Corona-Zeit nachholen.

Denn wegen Lockdowns und Kontaktbeschränkungen konnten oder wollten viele Familien in den vergangenen beiden Jahren keine Taufen feiern. Mit großen Feiern an besonderen Orten macht ihnen die Kirche jetzt ein Angebot - rund 50 solcher Feste sind geplant. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) erläutert Pastor Stephan Lackner, wie das geht. Er ist in Hannover für die Koordination der Tauffeste zuständig.

Herr Lackner, zu Pfingsten starten in der evangelischen Kirche wieder jede Menge Tauffeste unter freiem Himmel mit Dutzenden von Täuflingen. Warum macht die Kirche das?

Lackner: Weil es attraktiv ist für die Familien, mal eine Taufe zu feiern, wo sie nicht zu Hause ein Familienfest mit Restaurant organisieren müssen. Sie bekommen sozusagen das komplette Angebot. Das kostet auch nicht so viel. Man hat einen attraktiven Ort. Und der Gottesdienst ist meistens ein bisschen lockerer und offener. Da können Kinder auch mal rumlaufen oder rumquietschen. Das ist unter offenem Himmel ganz anders als in einer stillen Kirche.

Ist das dann so eine Art Massentaufe?

Lackner: Nein, das geht trotzdem ganz persönlich. Schon zur Vorbereitung gibt es ja ein persönliches Taufgespräch. Und weil ja mehrere Kirchengemeinden so ein Tauffest gemeinsam organisieren, wird jede Gemeinde ihre Täuflinge taufen, auch wenn es viele sind. Bei insgesamt 50 Taufen gibt es dann fünf oder sieben Taufstellen mit mehreren Pastorinnen und Pastoren an einem Ort. Dann sind dann also an jedem Pavillon parallel fünf bis zehn Taufen. Also nicht 50 Taufen hintereinander weg. Und es ist gewährleistet, dass der Kontakt zu dem Pastor, der die Taufe vornimmt, auch bestehen bleibt.

Normalerweise ist die Taufe ein klassisches Familienfest, zu dem viele Verwandte eingeladen sind. Ist dieses Modell nicht mehr so angesagt?

Lackner: Ich glaube, es gibt beides. Wir werden feststellen, dass die bisherige Form der Taufe im sonntäglichen Gottesdienst weiterhin eine besondere Attraktivität hat.

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Die Taufe ist das zentrale Ritual des Christentums. Mit der Taufe ist die Aufnahme in die Kirche verbunden. Die meisten Christen werden bereits als Kinder getauft. Es gibt jedoch auch christliche Kirchen, die eine Taufe von Erwachsenen vorziehen. Die Taufe ist zudem das grundlegende Sakrament (Heilszeichen) der Christenheit.

Das Wasser steht als Sinnbild für die Reinigung und Erneuerung des Lebens durch Jesus Christus. Die Taufe soll zum Ausdruck bringen, dass Gott den Menschen in seinem ganzen Leben begleitet. Der Reformator Martin Luther (1483-1546) erklärte: "Die Taufe ist nicht allein schlicht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasst und mit Gottes Wort verbunden." Sie "wirkt Vergebung der Sünden" und "erlöst vom Tod und Teufel".

Vollzogen wird die Taufe, indem der Pastor oder die Pastorin den Kopf des Täuflings mit Wasser übergießt oder der ganze Körper in Wasser eingetaucht wird. Dabei wird die Formel "Ich taufe dich im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes" gesprochen. Das Vorbild zur Taufe gab Jesus Christus selbst, der sich nach der biblischen Überlieferung von Johannes dem Täufer im Jordan taufen ließ.

In der römisch-katholischen Kirche ist die Taufe neben dem Abendmahl oder der Eucharistie das zweite Hauptsakrament unter sieben Sakramenten. Protestanten kennen ausschließlich die beiden Sakramente Taufe und Abendmahl. Im Jahr 2007 haben die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die katholische Deutsche Bischofskonferenz sowie neun weitere Kirchen die wechselseitige Anerkennung der Taufen ihrer Mitglieder in einem Dokument bekräftigt.