Instagram-Pastorin wechselt nach Hamburg

Portrait von Pastorin Josephine Teske

© epd-bild/Jens Schulze

Sowohl ihre Gemeinde als auch ihre Internet-Gemeinde bedauert, dass Pastorin Josephine Teske Büdelsdorf verlässt und nach Hamburg wechselt.

Josephine Teske
Instagram-Pastorin wechselt nach Hamburg
Sie ist eines der Gesichter der digitalen Kirche: Mehr als 36.000 Menschen folgen Pastorin Josephine Teske auf Instagram. Jetzt hat die 35-Jährige ihre Gemeinde in Büdelsdorf verlassen. Auch ihre Internet-Gemeinde trauert.

Ein paar Tränen sind zum Abschied schon geflossen - auch auf Instagram. Denn Josephine Teske ist mit ihren 36.600 Followern in dem sozialen Netzwerk eine große Nummer unter den kirchlichen Angeboten.

Als die 35-Jährige jetzt von ihrer bisherigen Gemeinde in Büdelsdorf bei Rendsburg nach Hamburg wechselte, wusste das Web Bescheid: In Selfie-Videos hat die Pastorin erzählt, wie emotional es war, als sie ihren letzten Gottesdienst gefeiert hat und welche Geschenke ihr die Menschen gemacht haben.

Inzwischen geht es auf Teskes Kanal @seligkeitsdinge_ nicht mehr so sehr um Abschiede, sondern um Anfänge. Sie postet Umzugskartons und berichtet, dass ihre beiden Kinder bald in die neue Schule und in die neue Kita kommen. Sie erzählt ihren Followern von einem Frühstart in der neuen Gemeinde Meiendorf-Oldenfelde. Weil eine Kollegin erkrankt ist, feiert sie ihren Premieren-Gottesdienst schon kurzfristig: mit der Konfirmation der Jugendlichen.

Weiter bei Instagram aktiv

Noch sei alles etwas im Nebel, sagt Josephine Teske. Doch der lichtet sich langsam. Nach der ersten Konfirmation hat sie in diesen Tagen ihr erstes Taufgespräch und ihre erste Trauerfeier. Ihr erster Gemeindegottesdienst folgt am Sonntag, 12. Juni. Und im Sommer soll auch das neue Pastorat fertig sein, in das die alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Kindern einzieht. Momentan wird es noch saniert.

Auch hinter den Kulissen gibt es eine Änderung: In Büdelsdorf durfte Josephine Teske 25 Prozent ihrer Arbeitszeit für das Internet nutzen, in Hamburg hat sie eine reine Gemeindestelle angetreten. Doch ihre Follower müssen sich keine Sorgen machen: Bei Instagram will die Pastorin aktiv bleiben.

Mehr Stellen mit Web-Anteil

Ein großer Teil ihrer Anhängerschaft geht eben nicht jeden Sonntag zum Gottesdienst. Viele sind nicht einmal Mitglied in einer Kirche. Zahlreiche Muslime folgten ihr ebenfalls, erzählt Teske. Der Theologin gefällt diese Mischung: "Die Kirche muss doch dahin, wo die Menschen sind", sagt sie.

Zusätzliche Zeit nimmt das Instagram-Engagement auf jeden Fall in Anspruch. An ruhigen Tagen würden etwa 100 Direktnachrichten auflaufen. Bei manchen sei für mehr als ein "Gefällt mir"-Klick keine Zeit. Ihre "Insta-Storys" - mal im Video, mal im Foto - würden jeden Tag bis zu 17.000 Leute verfolgen.

Einzige Gemeindepfarrerin im Rat

Mit ihren "Seligkeitsdingen" sieht sich Josephine Teske so gut etabliert, dass sie keinen Internet-Anteil für ihre Stelle mehr brauche. Doch bei vielen jungen Kollegen sei das anders. Deshalb ruft die Pastorin die Landeskirchen dazu auf, mehr Stellen mit einem prozentualen Web-Anteil auszuschreiben - und zwar nicht nur für Pastoren, sondern auch für Kantoren oder Diakone.

Seit vergangenem November sitzt Teske im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dort steht sie nicht nur für die digitale Kirche, sondern auch fürs Gemeindeleben - als einzige Gemeindepastorin in dem Leitungsgremium. Einmal im Monat trifft sich der Rat, meistens in Hannover - in überschaubarer Distanz zu ihrem Wohnort Hamburg. Fünf Wochen ließ sie sich damals nach der Anfrage Zeit, ehe sie dem Ehrenamt zustimmte.

Zum Wechsel nach Meiendorf-Oldenfelde hat Josephine Teske sich entschlossen, weil auch ihre vier Geschwister in der Hansestadt wohnen und es schon immer ihr Traum gewesen sei, in Hamburg zu leben. "Warum soll ich den Traum nicht wahr werden lassen?", habe sie sich irgendwann gesagt. Zu erfahren war das auch auf Instagram.

Mehr zu digitale Verkündigung
Sabine Rückert und Johanna Haberer auf dem Sofa zu Hause
Die Journalistin und Podcasterin Sabine Rückert will mit ihrem Podcast über die Bibel keine Verkündigung des christlichen Glaubens betreiben.
Illustration von zwei Menschen, die sich durch Gedanken und Reden beeinflussen
Auch Christ:innen sind nicht vor Hass im Internet geschützt. Hate Speech verantwortungsvoll entgegenzutreten, ist auch ein Akt der Nächstenliebe. evangelisch.de-Social Media-Mitarbeiterin Leonie Mihm klärt auf.