Kirchen und Staat feiern gemeinsam

Community Health Worker informiert über Corona in Afrika

© Christoph Pueschner/Brot für die Welt

Matthew Zawalo informiert in der Republik Liberia die Einwohner über das Corona-Virus, bei dessen Bekämpfung Kirchen weltweit wichtige Akteure sind.

60 Jahre Entwicklungsarbeit
Kirchen und Staat feiern gemeinsam
Seit Langem arbeiten Kirchen und Staat in der Entwicklungshilfe eng zusammen. Mit Blick auf die aktuellen Krisen hebt die Bundesregierung die Bedeutung dieser Kooperation hervor. Auch weil Kirchen an Orte kommen, die anderen unzugänglich sind.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesentwicklungsministerium, Niels Annen (SPD), hat die Notwendigkeit der gemeinsamen Entwicklungsarbeit von Kirchen und Staat zur Milderung der Folgen von Krieg, Erderwärmung und Corona-Pandemie hervorgehoben. Die Kirchen leisteten Hilfe zur Selbsthilfe in fast allen Bereichen, von der Armuts- und Hungerbekämpfung über die Gleichstellung der Geschlechter und den Klimaschutz bis hin zur Stärkung der Zivilgesellschaft in den Ländern des globalen Südens, sagte er am Mittwochabend bei einem Festakt zum 60-jährigen Bestehen dieser entwicklungspolitischen Kooperation in Berlin.

Kirchen seien auch dann noch tätig, "wenn dies die politische Situation der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit häufig nicht mehr erlaubt". Es sei "großartig", dass sie beispielsweise in Ländern wie dem Tschad und dem Südsudan aktiv seien. Auch bei der Bewältigung von Covid-19 weltweit seien Kirchen wichtige Akteure, sagte Annen. In vielen Ländern könnten religiöse Führer und Führerinnen zur gesundheitlichen Aufklärung beitragen, denn ihnen vertrauten die Menschen. Zudem seien sie oft Träger von Krankenhäusern oder medizinischen Ausbildungsstätten. Seit vielen Jahren setzten sich die Kirchen zudem für ein Leben ohne Hunger ein. Die Kirchen und ihre Hilfswerke seien in der Entwicklungszusammenarbeit ein verlässlicher Anker, betonte er.

Seit 1962 arbeitet die Bundesregierung offiziell mit den beiden großen Kirchen in der Entwicklungspolitik zusammen. Zu diesem Zweck wurden im selben Jahr die Evangelische und die Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe (EZE und KZE) gegründet. Sie sind Hauptansprechpartner für den Staat in Entwicklungsfragen und koordinieren den Einsatz der zugewiesenen Fördermittel. Seit Beginn der Kooperation hätten die Partner der kirchlichen Hilfswerke fast 28.000 Projekte in mehr als 100 Ländern entwickelt, umgesetzt sowie aus staatlichen und zum Teil eigenen Mitteln finanziert, sagte Annen. Das Entwicklungsministerium habe den Kirchlichen Zentralstellen dafür mehr als neun Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

Bein einem ökumenischen Gottesdienst vor dem Festakt hatte der evangelische Prälat Martin Dutzmann in seiner Predigt in der Berliner Elisabethkirche gesagt: "Durch unsere Partnerorganisationen haben wir viel auch über uns selbst gelernt." Trotz vieler Widerstände seien in den vergangenen Jahren beeindruckende Erfolge erzielt worden.

Beim Festakt sprach auch die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks "Brot für die Welt", Dagmar Pruin. Sie griff Annens Worte auf, wonach Deutschland bei der Entwicklungszusammenarbeit mit ärmeren Ländern mit gutem Beispiel vorangehen müsse. Pruin kritisierte, dass sie diese Einsicht in der Debatte um den Bundeshaushalt nicht gehört habe. Sie betonte zugleich, es gehe nicht um Almosen, sondern um Gerechtigkeit. Schließlich seien die Armen arm gemacht worden.

Der Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor, Bernd Bornhorst, erinnerte an den "Grundauftrag" bei der Entwicklungsarbeit, einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Strukturen der Armut beseitigt werden und nicht nur die Symptome. Zugleich gab er zu bedenken, dass Kirche bei vielen Menschen heute nicht mehr positive Assoziationen wecke. Bei der Entwicklungsarbeit könne gezeigt werden, wie Kirche auch sein könne.

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