TV-Tipp: "Der Barcelona-Krimi: Der Riss in allem"

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12. Mai, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Der Barcelona-Krimi: Der Riss in allem"
Ein Riss in allem: Das klingt mindestens pessimistisch, wenn nicht gar fatalistisch. Aber so hat Leonard Cohen die Passage in seinem Lied "Anthem" gar nicht gemeint. Das Zitat ist der Schlüsselsatz des zweiten neuen "Barcelona-Krimis".

Der Spruch steht für das Seelenband zwischen Kommissarin Valent (Anne Schäfer) und ihrem Kollegen aus der Abteilung für Organisierte Kriminalität (OK): Marcos (Àlex Brendemühl) zitiert nur die erste Zeile, Fina vervollständigt sie; ein früher Hinweis darauf, was das Liebespaar gleichermaßen trennt wie verbindet. "Der Riss in allem" ist zwar nur am Rande eine Romanze, unterscheidet sich inhaltlich und stilistisch jedoch erheblich vom Kammerspiel "Der längste Tag". Trug sich die Handlung der fünften Episode vorwiegend in einem zum Vernehmungsraum umfunktionierten Abstellzimmer zu, während die wenigen Außenszenen in unwirtlichen Gegenden spielten, so präsentiert der sechste Film Barcelona wieder als Weltstadt.

Schon der Auftakt setzt ein entsprechendes Zeichen: Der Krimi beginnt mit einem langen Schwenk über den nächtlichen Containerhafen. Die Kamerabewegung endet bei einem uniformierten Scharfschützen: Marcos und sein Team wollen eine große Rauschgiftlieferung abfangen. Die junge Polizistin Clara (Lina Rusnak) beschwert sich bei ihrem Partner, dass sie irgendwo am Rand geparkt worden sind und nicht dort mitmischen dürfen, wo die Action ist. Die Musik (Fabian Römer, Steffen Kaltschmid) signalisiert zwar, dass es nun losgeht, doch der vermeintliche Drogencontainer ist leer. Die ehrgeizige Clara kriegt ihre Action trotzdem, wenn auch ganz anders als erhofft: Sie bekommt einen Tipp, dass im Fischereihafen ein großer Deal abgewickelt wird. Die Kamera bleibt beim Kollegen, als sie auf eigene Faust loszieht. Kurz drauf fallen Schüsse: Offenbar haben sich die Polizistin und der Dealer gegenseitig erschossen; ein Fischer, der die Drogen an Land geschmuggelt hat, ist ebenfalls getroffen worden. Als Valent, Bonet (Clemens Schick) und Marcos den Tathergang rekonstruieren, fallen der Kommissarin allerlei Ungereimtheiten auf. Tatsächlich ergibt die ballistische Untersuchung, dass noch eine weitere Waffe im Spiel war: Clara ist Opfer eines gezielten Attentats geworden. Alle Indizien deuten schließlich darauf hin, dass eine unglücklich in die Polizistin verliebte Kollegin (Samia Chancrin) die Mörderin ist. 

Eine Geschichte holt zum großen Wurf aus, doch dann entpuppt sich das Verbrechen als Beziehungstat: Im ARD-Sonntagskrimi wirkt das regelmäßig etwas unbefriedigend, weil das vermeintliche Thema zum Vorwand verkommt.

Katharina Eyssen und ihr Vater Remy, die auch "Der längste Tag" geschrieben haben, lassen immerhin lange offen, ob Claras Tod nicht auch einen anderen Hintergrund haben könnte. Und dann sind da ja noch die Gefühle, die Valent für den OK-Kollegen empfindet. Auf diese Weise rückt Anne Schäfer, deren Rolle im letzten Film fast zur Nebenfigur degradiert worden ist, wieder stärker in den Mittelpunkt. Anders als zum Auftakt, als noch Tara Fischer als Tochter mitwirkte, hat die Kommissarin ähnlich wie Kollege Bonet, dessen Beziehung zu seinem Freund auf Begrüßungen und Abschiede reduziert bleibt, kein Privatleben mehr; die Affäre mit Marcos ist quasi Teil des Falls. Àlex Brendemühl ist ein charismatischer Spielpartner, er versieht den Polizisten mit einer geheimnisvollen Aura, die Valents Fasziniertheit sehr plausibel erscheinen lässt. Dass der Leiter der OK-Abteilung seine Frau durch ein grausames Verbrechen verloren hat, lässt ihn noch düsterer erscheinen. Der in Barcelona aufgewachsene Deutschspanier hat bereits einen "Taunuskrimi" ("Böser Wolf", 2016) und einen "Tatort aus Dortmund ("Inferno", 2019) bereichert. 

Und dann ist da noch die Stadt: "Der Riss in allem" wirkt wegen der vielen Außenaufnahmen ungleich aufwändiger. Das Team durfte sogar auf der spektakulären Dachterrasse von Antoni Gaudís berühmter "Casa Milà" (im Volksmund La Pedrera) drehen. Gerade wegen der vielen Metropolenbilder entspricht der Film insgesamt jedoch deutlich stärker den Konventionen des Auslandskrimis donnerstags im "Ersten". Für Regisseurin Carolina Hellsgård und ihren Kameramann Patrick Orth war es dagegen bestimmt sehr reizvoll, zwei nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch völlig unterschiedliche Krimis zu machen.

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