Margot Käßmann: Wir brauchen Hoffnungsbilder

Portrait der evangelischen Theologin Margot Käßmann im Freien

© epd-bild/Jens Schulze

Margot Käßmann appeliert, trotz der Belastungen durch Corona und des Krieges in der Ukraine, die Hoffnung nicht zu verlieren.

Krieg und Corona zu Ostern
Margot Käßmann: Wir brauchen Hoffnungsbilder
Drei Fragen an die evangelische Theologin und frühere Bischöfin
Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat angesichts der Belastungen durch Corona und des Krieges in der Ukraine dazu aufgerufen, die Hoffnung nicht zu verlieren. Für viele sei die Leichtigkeit des Seins verloren gegangen, sagte die frühere hannoversche Landesbischöfin und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

epd: Lange gab es die Erwartung, in der Zeit um Ostern würde es in der Corona-Pandemie so etwas wie eine neue Freiheit geben. Jetzt ist alles eher widersprüchlich. Wie nehmen Sie das wahr?

Margot Käßmann: Es gibt eine große Sehnsucht nach Gemeinschaft. Ich erlebe das bei den Gottesdiensten. Ich halte fast jeden Sonntag einen. Die Menschen freuen sich so, wieder eine volle Kirche zu erleben, singen zu können, sich in den Arm nehmen zu können. Das trauen sich manche jetzt wieder. Es gibt eine Sehnsucht nach Alltag und auch eine Sehnsucht nach Berührungen. Die entsetzliche Einsamkeit hat doch viele, gerade Ältere, sehr belastet.

"Es ist aber auch Gutes gewachsen."

Die Pandemie ist nicht vorbei, das ist allen klar. Aber diese massiven Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, der Versammlungsfreiheit - es wird Zeit, dass die aufgehoben werden. Es ist aber auch Gutes gewachsen. Ich hatte jetzt Taufen, die wir endlich nachholen durften. Da gibt es eine große Dankbarkeit, dass ein Familienfest stattfinden kann. Eine ganz besondere Freude darüber, dass die Großmutter anreisen darf. Es existiert mehr Bewusstsein dafür, dass es nicht selbstverständlich ist, wie wir leben.

Nicht nur die Pandemie, auch der Krieg in der Ukraine belastet viele emotional. Was brauchen die Menschen jetzt?

Käßmann: Für viele ist die Leichtigkeit des Seins verloren gegangen. Wir Älteren sind aufgerufen, die Jüngeren zu ermutigen. Das gilt gerade für die Familien mit Kindern, die wirklich in der Pandemie kräftezehrende Situationen durchhalten mussten.

"Wir halten es nicht aus, nur die Belastung zu spüren."

Bei aller Belastung darf deshalb auch Freude da sein. Wir halten es nicht aus, nur die Belastung zu spüren. In unserem christlichen Glauben ist die Passion, das Leiden, ein Teil des Lebens. Aber das hat nicht das letzte Wort. Ostern hat das letzte Wort - Leben, Lebensfreude, Auferstehung. Das müssen wir auch Kindern vermitteln. Ja, es ist Krieg, es gibt das Böse, aber es gibt auch das Gute, die Liebe.

Kann es denn Trost geben angesichts der grauenhaften Bilder des Krieges?

Käßmann: Für mich ist Trost, dass die Bibel Hoffnungsbilder malt. Es können sich Gerechtigkeit und Frieden küssen. Die Tränen werden abgewischt. Versöhnung ist möglich, selbst zwischen Kriegsparteien. Wir brauchen jetzt solche Hoffnungsbilder. Es ist auch Aufgabe der Kirche, in einer Zeit von so viel negativen Nachrichten und entsetzlichen, erschütternden Bildern davon zu reden, dass es Hoffnung gibt.

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