TV-Tipp: "Nord bei Nordwest: Der Ring"

TV-Tipp

© Getty Images/iStockphoto/vicnt

13. Januar, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Nord bei Nordwest: Der Ring"
Die Arme eines Kieler Drogenkartells reichen bis in die holsteinische Provinz und bescheren dem dort untergeschlüpften Ex-Polizisten Hauke Jacobs einen neuen Fall.

In den ersten Episoden der ARD-Reihe "Nord bei Nordwest" war das Verbrechen dem untergetauchten Polizisten Hauke Jacobs in die ostholsteinische Provinz gefolgt. Die Vergangenheit als verdeckter Ermittler hat er als Tierarzt hinter sich lassen können, aber die Gegend scheint Ganoven nach wie vor magisch anzuziehen.

Von all' dem ist zunächst jedoch nichts zu spüren, als Jacobs (Hinnerk Schönemann) gemeinsam mit Hund Holly seinen Morgenlauf am Strand absolviert. Ein einsamer Camper angelt sich eine Scholle zum Frühstück; seltsam nur, dass das Mädchen in seiner Begleitung gefesselt ist. Von dieser kleinen Irritation abgesehen wird die idyllische Beschaulichkeit durch nichts getrübt. Es ist Frühsommer, die Büsche blühen, die Menschen sind guter Dinge.

Allein Jacobs' Praxispartnerin Jule Christiansen (Marleen Lohse) macht sich Sorgen um den Hahn ihres Vaters: Gockel Hermann kräht nicht mehr, weil sein Besitzer im Krankenhaus ist; nichts Ernstes, nur eine kleine Operation, aber Dirk Christiansen (Jens Weisser) ist nicht mehr der alte. Trotzdem wird er in diesem Fall, der sich auf leisen Sohlen in die Handlung schleicht, noch eine entscheidende Rolle spielen.

Der Film trägt den schichten Titel "Der Ring", und diesmal geht es um die Vergangenheit von Hannah Wagner (Jana Klinge), der mittlerweile nicht mehr neuen Polizistin von Schwanitz. Die Kommissarin gehörte bis zu ihrer Versetzung an die Küste zum Kieler Drogendezernat. Sie hat dort gegen ein Rauschgiftkartell ermittelt, das in Polizeikreisen "der Ring" genannt wird und offenbar stets bestens über den Stand der Ermittlungen informiert ist.

Nach und nach stellt sich raus, dass der Camper ein Kollege aus Kiel und die zehnjährige Mila in seinem Wohnmobil eine wichtige Zeugin ist. Ihre Aussage soll jenen Stein ins Rollen bringen, der schließlich zur Zerschlagung der Organisation führen könnte, was der "Ring" selbstredend verhindern will. Als dem Mädchen die Flucht gelingt, machen sich Jacobs, Wagner und die Verstärkung aus der Landeshauptstadt gemeinsam auf die Suche. Fortan bezieht der Film seine allerdings nur moderate Spannung vor allem aus der Frage, wem Jacobs trauen kann: Für den Kommissar ist Hannah Wagners ehemaliger Partner Lasse Huppertz (Thomas Niehaus) ebenso verdächtig wie dessen Begleiterin Nina Wegendorf (Franziska Hartmann).

Wagner wiederum, die für Huppertz offenkundig weit mehr empfindet als nur kollegiale Gefühle, hält Jacobs' Misstrauen für Eifersucht. Das überhebliche Duo aus Kiel nimmt den vermeintlichen Dorfpolizisten ohnehin nicht ernst. Derweil ist Milas Ermordung längst beschlossene Sache und ihr Tod wohl nur eine Frage der Zeit, weil sich das polizeiliche Quartett gegenseitig behindert.

Das Drehbuch schrieb Niels Holle, der sich die Reihe mittlerweile mit ihrem Schöpfer Holger Karsten Schmidt teilt und dessen Tonfall recht gut trifft: Selbst wenn es schließlich um Leben und Tod geht und bei einer Schießerei gegen Ende tatsächlich jemand auf der Strecke bleibt, kommt dem Film nie die gelassene Grundstimmung abhanden. Regie führte der Schweizer Markus Imboden, der gemeinsam mit Schmidt und Hinnerk Schönemann unter anderem die "Finn Zehender"-Reihe fürs ZDF gedreht hat. Für "Mörder auf Amrum" 2010 ist das Trio mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden.

"Nord bei Nordwest" ist im Vergleich zu diesem Thriller allerdings fast schon Familienfernsehen. Gerade für Jules Vater nimmt sich der Film fast unnötig viel Zeit, was Jens Weisser allerdings die Gelegenheit gibt, den Sturkopp in all' seinen Facetten auszukosten: von der Grantigkeit über den Status als vermeintlicher Pflegefall sowie der daraus resultierenden Resignation, weil er seiner Tochter nicht mehr der unbesiegbare Vater sein kann, bis zur Rolle als Retter der kleinen Mila.

Am schönsten sind die Momente, in denen sich der alte Christiansen hilflos gibt und so tut, als ob er kein Wässerchen trüben könne, weil sich wieder mal jemand nach Mila erkundigt. Deren Darstellerin, Maggie Valentina Salomon, macht ihre Sache ebenfalls prima, zumal Buch und Regie dafür gesorgt haben, dass sie dank Holly und eines Entenkükens passende Spielpartner hat. Der Hund ist diesmal ohnehin weit mehr als bloß der Mitläufer seines Besitzers. Ein Knüller ist auch der Entwurf sowie die Besetzung der Person, die dem Mädchen nach dem Leben trachtet. Für kleine Amüsements am Rande sorgen unter anderem die mehrfachen Missgeschicke der Kollegin aus Kiel sowie die Idee, dass Hannah Wagner gleich zwei Männer mit rasanten Wendemanövern beeindruckt.