SOS-Méditerranée-Geschäftsführerin fordert staatliche Seenotrettung

SOS-Méditerranée-Geschäftsführerin fordert staatliche Seenotrettung

Die Situation auf dem Mittelmeer hat sich laut der neuen SOS-Méditeranée-Geschäftsführerin Maike Röttger zuletzt verschlechtert. Es habe in den vergangenen Wochen ein "erneut alarmierendes Level der Eskalation" gegeben, sagte Röttger, die seit dem 1. Dezember Geschäftsführerin von SOS Méditerranée Deutschland ist, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zum Beispiel habe die von der EU unterstützte libysche Küstenwache Schiffe von Seenotrettungsorganisationen bedroht.

Zugleich seien im laufenden Jahr mehr als 1.300 Flüchtlinge und Migranten bei der Fahrt über das zentrale Mittelmeer und damit mehr Menschen als im Vorjahr gestorben, sagte die 54-jährige gelernte Journalistin und ehemalige Leiterin der Kinderrechtsorganisation Plan International Deutschland. "Das bedeutet, dass im Durchschnitt alle sechs Stunden ein Mensch ertrinkt." Der Druck auf die Fluchtroute lasse nicht nach.

Einzelne Ansätze zur Seenotrettung im Koalitionsvertrag lobte Röttger. Es sei erfreulich, dass das Thema Eingang in den Vertrag gefunden habe. Es dürfe jedoch nicht bei Absichtserklärungen bleiben. "Die neue Bundesregierung muss sich dafür einsetzen, dass es ein staatliches organisiertes Seenotrettungsprogramm der EU gibt", sagte sie. "Sonst sterben weiter Menschen." In dem Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP heißt es, die zivile Seenotrettung dürfe nicht behindert werden. Zugleich streben die Ampel-Parteien eine staatlich koordinierte und europäisch getragene Seenotrettung im Mittelmeer an.

SOS Méditerranée Deutschland wird sich ab Januar 2022 von dem europäischen Verbund SOS Méditerranée International lösen und ein eigenes Rettungsschiff kaufen. "In der aktuellen Situation brauchen wir so viele Schiffe wie möglich", sagte Röttger. Das neue Schiff solle Platz für bis zu 250 Gerettete bieten und besonders schnell an Einsatzorte kommen können. Es ergänze damit die Boote anderer Organisationen, die zwar Platz für mehr Flüchtlinge und Migranten böten, aber langsamer seien. Den Namen des neuen Schiffs will die Organisation, die sich ab Januar ebenfalls umbenennen wird, in den kommenden Tagen bekanntgeben.