Pakistan: Festnahmen nach Lynchmord wegen Gotteslästerung

Pakistan: Festnahmen nach Lynchmord wegen Gotteslästerung

Nach dem Lynchmord an einem Christen in Pakistan wegen angeblicher Gotteslästerung hat die Polizei 118 Verdächtige festgenommen, wie der TV-Sender Geo News am Samstag berichtete. Am Freitag war der aus Sri Lanka stammende Priyantha Kumara, Manager einer Textilfabrik in der pakistanischen Stadt Sialkot, nach einem Streit mit Angestellten mit Eisenstangen gefoltert und verbrannt worden.

Bei der Auseinandersetzung soll es um die Entfernung von Plakaten und Aufklebern in der Fabrikhalle gegangen sein. Da auf einigen der Plakate angeblich der Namen des Propheten stand, wurde Kumara laut Geo News der Gotteslästerung beschuldigt. Der herbeigerufene Fabrikbesitzer schlichtete zunächst den Streit, doch wenig später wurde Kumara von einem Mob angegriffen. Die für die Sicherheit zuständigen Wächter taten demnach nichts, um die Menge zu zerstreuen. Kumara arbeitete seit zehn Jahren in der Fabrik.

Der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan sprach auf Twitter von einem "Tag der Schande für Pakistan" und merkte an, dass das Opfer bei lebendigem Leib verbrannt sei. Die Verantwortlichen würden mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft, versicherte Khan. Sri Lankas Regierungschef Mahinda Rajapaksa erklärte, er sei schockiert von dem brutalen, tödlichen Angriff durch einen "extremistischen Mob".

In Pakistan kann schon der bloße Verdacht der Gotteslästerung tödliche Folgen haben. Immer wieder kommt es zu Ausschreitungen gegen angebliche Täter. Der Fall der Christin Asia Bibi, die im November 2010 von einem Gericht wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tod durch den Strang verurteilt worden war, sorgte international jahrelang für Aufsehen. Bibi wurde Ende 2018 vom Obersten Gericht freigesprochen, musste jedoch aus Sorge um ihr Leben wenig später Pakistan verlassen.