Kirchen erhalten weniger Spenden

Opferstock in der St. Johanniskirche Lüneburg. Darüber ein Schild "Danke für 1 Euro Spende"

Philipp Schulze/dpa/Philipp Schulze

Während der Corona-Pandemie sind die Kollekten in den Kirchen zurückgegangen.

Gegen den Trend
Kirchen erhalten weniger Spenden
Im Flutkatastrophenjahr 2021 haben die Deutschen so viel gespendet wie noch nie. Auch die Zahl der Spenderinnen und Spender nahm zu. Die Kirchen mussten hingegen Einbußen hinnehmen.

Die Deutschen haben im Jahr der Flutkatastrophe so viel gespendet wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2005. Zwischen Januar und September 2021 kamen nach Angaben des Deutschen Spendenrats rund 3,8 Milliarden Euro zusammen. Das bedeute ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr und sei mit Abstand das beste Ergebnis in den vergangenen 16 Jahren, sagte Spendenrats-Geschäftsführer Max Mälzer in Berlin.

Erstmals seit 2005 wuchs auch die Anzahl der Spenderinnen und Spender wieder auf rund 17 Millionen gegenüber 16 Millionen im Vorjahr. Im Durchschnitt spendeten die Menschen 40 Euro und damit drei Euro mehr als vergangenes Jahr. Für das gesamte Jahr 2021 rechnet der Spendenrat mit bis zu 5,9 Milliarden Euro.

Größte Profiteurin der neuen Spendenbereitschaft ist die humanitäre Hilfe. An sie gingen mit 2,9 Milliarden Euro knapp 80 Prozent aller Spenden, ein Plus von 470 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Am kräftigsten wuchs dabei der Anteil für die Not- und Katastrophenhilfe mit 35 Prozent. "Das steigende Gesamtspendenvolumen in der Not- und Katastrophenhilfe beruht vermutlich vor allem auf den Spenden für Fluthilfeprojekte nach der Hochwasserkatastrophe in Deutschland im Sommer", sagte Mälzer.

Fast die Hälfte sind Neuspender

Das belegen auch andere Zahlen. So ging mit 66 Prozent aller Spenden die Mehrheit in diesem Jahr an lokale oder nationale Projekte. Nur 34 Prozent kamen internationalen Projekten zugute. Vergangenes Jahr lag der Anteil der internationalen Projekte noch bei 43 Prozent.

Zudem waren im Zeitraum Juli bis September, also in den Monaten mit zweistelligen Zuwachsraten bei der Not- und Katastrophenhilfe, 42 Prozent der Menschen, die Geld gaben, Neuspender. "Das sind Spender, die in den vergangenen 1,5 Jahren nicht für die Not- und Katastrophenhilfe gespendet haben", erklärte Bianca Corcoran-Schliemann vom Marktforschungsinstitut GfK, das die Erhebung durchgeführt hat. Viele dieser Neuspender würden vermutlich nicht zu Dauerspendern werden.

Gottesdienst-Kollekten fehlen

Am großzügigsten ist weiterhin die Altersgruppe der über 70-Jährigen, die mit 44,5 Prozent für fast die Hälfte des Spendenvolumens aufkommt. Mit großem Abstand folgen auf Platz zwei und drei die 50- bis 59-Jährigen (17,6 Prozent) und die 60- bis 69-Jährigen (16,6 Prozent). Am zurückhaltendsten zeigten sich in diesem Jahr die 40- bis 49-Jährigen. Hier gingen die Spenden um 13 Prozent auf einen Anteil von 11,3 Prozent zurück.

Die Kirchen mussten erneut Einbußen hinnehmen. Sie erhielten laut dem Bericht 19,8 Prozent der Gesamtspenden, mehr als fünf Prozent weniger als im Jahr 2020. Das liege unter anderem an fehlenden Kollekten, weil Gottesdienste wegen der Corona-Pandemie ausgefallen waren, sagte Spendenrats-Geschäftsführer Mälzer. Auch Sportvereine würden unter Corona leiden und hätten massive Spendeneinbrüche, weil sie besonders auf Präsenzveranstaltungen angewiesen seien.

Mehr zu Spenden, Spendenbereitschaft
Die Hand eines Kindes neben der Hand eines alten Menschen.
Vererben und vorsorgen – Torsten Sternberg erklärt, worauf man achten muss.
Foto von Marian Braun im Bergpark am Schloss Wilhelmshoehe
Ein junger Mann aus Göttingen hat 25 000 Euro an Brot für die Welt gespendet, um Kirchenwälder in Äthiopien zu retten. Warum hat er das gemacht?