Corona-Pandemie: Impfpflicht und Kontaktreduzierung gefordert

Corona-Pandemie: Impfpflicht und Kontaktreduzierung gefordert
Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina: Bürger vor "desaströsen Folgen" bewahren
In die Diskussion um strengere Corona-Regeln hat sich die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina eingeschalten. In einem Appell fordern die Wissenschaftler Impfpflicht und Kontaktbeschränkungen.

In der Diskussion um strengere Corona-Regeln werden immer mehr Stimmen laut, die sich für eine allgemeine Impfpflicht und Kontaktbeschränkungen einsetzen. Vor dem Hintergrund drastisch ansteigender Corona-Infektionen müssten Ungeimpfte motiviert oder in die Pflicht genommen werden, heißt es in einem am Samstag in Halle veröffentlichten Ad-Hoc-Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina: "Nur so können die Bürgerinnen und Bürger unserer Gesellschaft vor weiteren desaströsen Folgen bewahrt werden."

Die Unterzeichner, darunter der Leiter der Virologie an der Charité Berlin, Christian Drosten, rufen dazu auf, bis Weihnachten neben Erst- und Zweit-Immunisierungen rund 30 Millionen Drittimpfungen zu ermöglichen. Um mehr Menschen die nötigen Dosen verabreichen zu können, müssten demnach andere medizinische Berufsgruppen wie Apotheker, Amtsärzte, Zahnärzte, Pflegekräfte und Hebammen mit einbezogen werden. Zügig solle außerdem eine rasche Einführung einer berufsbezogenen Impfpflicht für Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und medizinische Fachberufe sowie weiterer Multiplikatorengruppen umgesetzt werden, hieß es weiter.

Auch der geschäftsführende Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) zeigte sich offen für eine allgemeine Impfpflicht. "Ich befürchte, dass eine Impfpflicht gesellschaftlich spaltet. Aber eine nicht enden wollende Pandemie spaltet auch", sagte er im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (F.A.S.). Er wünsche sich, dass der Ethikrat sich jetzt intensiv unter anderem mit der Frage beschäftige, welche Sanktionen greifen könnten, wenn man einer künftigen Impfpflicht nicht nachkäme.

Ethikrats-Mitglied Andreas Lob-Hüdepohl warnte indessen bei der Behandlung von Corona-Patienten vor einer Unterscheidung zwischen Geimpften und Ungeimpften. "Auch ein Mensch, der noch so frevelhaft gelebt hat, verwirkt nicht sein Grundrecht auf medizinische Versorgung", sagte der Sozialethiker und Mitglied des Deutschen Ethikrates am Samstag dem Bayerischen Rundfunk (BR): "Daran müssen wir festhalten." Aktuell sind laut Daten des RKI insgesamt 68,4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland vollständig gegen Covid-19 geimpft, 71,1 Prozent mindestens einmal.

Der Leiter der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei, Nathanael Liminski (CDU), schließt einen Lockdown für Ungeimpfte nicht mehr aus. Wenn sich jemand bewusst gegen den Schutz einer Impfung entscheide, dann müsse er damit leben, dass an diese freie Entscheidung auch Folgen geknüpft seien, sagte er im Interview mit dem "Bonner General-Anzeiger" (Samstag). Aktuell sind laut Daten des RKI insgesamt 68,4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland vollständig gegen Covid-19 geimpft, 71,1 Prozent mindestens einmal.

Die Physikerin Viola Priesemann vom Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation sprach sich zudem für eine weitreichende Maskenpflicht in öffentlichen Räumen, am Arbeitsplatz und auch an Schulen aus.

Das RKI meldete am Samstag 67.125 Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Zahl der Neuinfektionen binnen eines Tages bezogen auf 100.000 Einwohner angibt, lag im bundesweiten Schnitt bei 444,3. Die Hospitalisierungsinzidenz beträgt deutschlandweit derzeit 5,97.